Montag, 6. Juni 2016
Meine Musikproduktion
Um 2012 erlitt ich einen Rück- und Anfall als Liedermacher. Ich nahm mir seit Jahren angesammelte Entwürfe für „Zwerglieder“ vor, machte mich notdürftig sowohl mit dem freizugänglichen digitalen Aufnahmeprogramm Audacity wie mit einigen mir bis dahin fremden Musikinstrumenten vertraut und verwandelte mein einziges Zimmer vorübergehend in das Heimstudio eines wahnsinnig gewordenen Alleinunterhalters. Das Ergebnis liegt auf im ganzen fünf CDs vor. Nachdem ich nämlich auf drei Platten 90 Zwerglieder gepreßt hatte, sah ich mich gezwungen, die Behauptung einer Freundin zu widerlegen, ich sei unheilbar an Minimalismus erkrankt. So schuf ich auch noch eine Platte mit einem Dutzend herkömmlicher Lieder und eine Platte mit 12 Instrumentalstücken. Als sich dann ziemlich rasch abzeichnete, daß auch für die musikalischen Erzeugnisse meines Genies so gut wie kein Bedarf vorlag, hielt ich mich schadlos, indem ich wenigstens meine Musikinstrumente wieder verkaufte. Seit 2013 mache ich keine Musik mehr. Meine angeblich in Spanien gebaute Konzertgitarre behielt ich zwar, doch aus der Staubschicht auf ihr könnte man inzwischen eine Grabinschrift meißeln.

Auf meinen Platten sind noch zwei andere Gitarren, außerdem hausgemachte Percussion, Tenorbanjo, Mandoline, Akkordeon, Querflöte und Marimba zu hören. Der so erzeugte, nie zuvor gehörte „Sound“ ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Die Beschränktheit meiner Gesangsstimme beklagte ich bereits unter „Trotz & Töne“. Ich habe mich nie für einen sonderlich begabten „ausführenden“ Musiker gehalten, glaube jedoch, daß mir als „Komponist“ bemerkenswerte Erfindungen gelungen sind. So warte ich auf geneigte erfahrene „Interpreten“, die ihnen ans Licht der Welt verhelfen. So warte ich auf geneigte erfahrene „Interpreten“, die ihnen ans Licht der Welt verhelfen. Ich denke, hier ist fast alles vorstellbar, von kammermusikalischen Darbietungen durch ein Orchester mit bei jedem Lied wechselnden kleinen Besetzungen bis zu Bearbeitungen mancher Lieder für mehrstimmigen, vier- bis vierzigköpfigen Chor ...

In einer AZ-Buchausgabe wären die Noten an Ort und Stelle eingebunden; hier dagegen begnüge ich mich mit [$] Links auf PDFs. Allerdings muß ich um Nachsicht bitten: Da ich im Notensetzen nicht weniger unbeholfen als in der Musiklehre überhaupt bin, dürften diese Dokumente einige Fehler und manche Mängel enthalten. Platten rücke ich unter Umständen auf dem Postweg heraus. Vorab gebe ich von jeder Platte ein Hörbeispiel. Etliche weitere Hörproben finden sich über die ganze Webseite verstreut. Dabei sollte man aber berücksichtigen, mp3-Dateien haben keine CD-Qualität.


Nie wieder Lieder I
CD mit 30 Zwergliedern. Selbstverlag 2012. 37 Minuten
Hörprobe: um die wurst (mp3, 1,186 KB)

1 Eiermann
Neuerdings kommt unser Eiermann nicht mehr bimmelnd angefahrn. Vielmehr löst er, ehe er die Klappe runterläßt, per Knopfdruck schrilles Krähen aus, was ich gern begackere.
[$] no eiermann (pdf, 31 KB)

2 Hurtiges Flüßchen
Hurtiges Flüßchen, berichte den Meeren, ich sei nicht versessen drauf, weit weg zu sein. Kühlst mir die Waden. Libellen verquirln / Heuduftes Schwaden, statt Möwen, die schrein.
[$] no fluesschen (pdf, 30 KB)

3 Der Fitnesser
Gern nimmt der Fitnesser Wald und Flur als seine Bahn. Wo hätt er eine schönere Kulisse für seinen stumpfen Wahn in den grellen Litzen? Fehlt noch ein Dompfaff, der auf der Mütze Trittbrett fährt.
[$] no fitnesser (pdf, 27 KB)

4 Kosmologie
Hab keine Mutter gehabt, kam mit nem Urknall zur Welt. Vor mir gabs gar nichts; wie ein Loch, das auch ohne Rand gut hält. Jodelnd die Lage erfaßt, hab ich gleich nach dem Knall ein Bulletin mit ein paar Fragen verfaßt.
[$] no kosmologie (pdf, 26 KB)

5 Gerettet
Wenn dir Hartz IV droht, dir die Frau durchbrennt, dich in der Kneipe keine Sau mehr kennt, dann plan doch mal eine Kur im Land Afghanistan. Du darfst mit Totenschädeln Fußball spieln und wirst auch noch dafür bezahlt. Selbst für den Rücktransport im Zinksarg ist gesorgt.
[$] no gerettet (pdf, 27 KB)

6 Beethoven an Elise
Diese fette Spinne in dem Rad, das so feingewirkt im Strauch hängt – hing sie nur vor deinem Schlafzimmerfenster, daß sie mir deine Träume finge!
[$] no beethoven (pdf, 25 KB)

7 Wär ich ein Schmetterling
Wär ich ein Schmetterling, labte ich mich nur an Knospen; sämtliche Frauen bieten derer stets zwei. Doch all den Frauen, die mich streifen, werden die Blicke frostig: mir fehlt das so verlockende Schmetterlingskleid.
[$] no schmetterling (pdf, 26 KB)

8 Aufstand
Der Dom erzittert und wankt im Brausen meiner Orgel. Ich seh den Pfarrer: er bangt! Heißa, auch er wird gewiß / tot aus dem Schutt geborgen ...
[$] no aufstand (pdf, 26 KB)

9 Lieber Fliegenpilz
Lieber Fliegenpilz, nachdem ich dich gegessen habe, bin ich, wie es aussieht, gar nicht tot. Vielmehr scheine ich zu fliegen, während unter mir das Herbstlaub loht. Und wie prächtig leuchtest du in Rot!
[$] no fliegenpilz (pdf, 28 KB)

10 Lumpenkarl am Baggersee
Lumpenkarl am Baggersee, unter dem Schirm der speckigen Mütze kreiseln heut die Mädchen nicht mit den perlenden Brüsten. Du siehst nur die braunen Schwälbchen, die in ihre Löcher im Steilufer schlüpfen.
[$] no lumpenkarl (pdf, 26 KB)

11 Greisengrüße
Wie wir zu kauen, kacken und klönen haben, wird uns früh beigebracht. Doch sich dem wieder zu entwöhnen, lernt man nur als Autodidakt.
[$] no greisengruesse (pdf, 25 KB)

Ich gedenke an dieser Stelle meiner „frühen Interpreten“ Frank Wismar alias Nana (Bariton) und Lena Müller alias Willi (Piano). Sie erwählten sich 12 Stücke der CD I und machten ein bemerkenswertes spätromantisches Liedgut daraus, das sie im Sommer 2011 in Berlin aufnahmen. Sie nannten ihre so entstandene CD Nana – fast keine Lieder!. Hier ihre Fassung des 11. Stückes: nana greise (mp3, 1,638 KB) .

12 Novemberlied
Nach dem Regen buchten sich langsam glitzernde Tropfen an kahlen Zweigen aus. Die Friedhofsgärtnerin seufzt: „Immer dies Weinen ums gefallene Laub!“
[$] no novemberlied (pdf, 28 KB)

13 Herzliches Beileid
Was mich stets ergreift, ist mein Geburtstag. Alle Briefe schwarz gerahmt. Jeder Mensch spricht mir sein Beileid aus, weil ich damals, wie sie wissen, ungefragt / sterbliche Gestalt annahm.
[$] no beileid (pdf, 27 KB)

14 Inflation
Kleinstadt und Rettich, die Steuer, der Bauch / blähn sich im Zug des Fortschritts ungemein auf. Selbst unser Weltall, heißt es, dehnt sich hartnäckig ins Nichts. Dessen Geschmack hat auch längst der Rettich.
[$] no inflation (pdf, 24 KB)

15 Odenwälder Hochzeitsmarsch
Nach der Trauung nehmen die Vermählten strahlend Platz im Feuerwehrauto. Glaubt mir, wenn sie bald einander quälen, heulen die Sirenen nicht mehr froh.
[$] no hochzeitsmarsch (pdf, 27 KB)

16 Überfluß
Glitzernder Rauhreif auf Wiesen und Äckern. Unter den Bäumen rote Lachen wie Blut. Das sind die Äpfel, die der Bürger nicht leiden kann; muten ihm Tag für Tag kostenloses Lächeln zu.
[$] no ueberfluss (pdf, 28 KB)

17 Liebes Kätzchen
Wie himmlisch, himmlisch, meine Süße, dein zartes Fell zu streicheln, während deine Magendrüsen Spatz und Mäuschen einspeicheln.
[$] no kaetzchen (pdf, 25 KB)

18 Um die Wurst
Fragt euch doch mal, warum Frauen die Würste immer schräg anschneiden? – Weil alle Männer aufs Ende pochen, statt sich am Augenblick zu weiden.
[$] no wurst (pdf, 26 KB)

19 Die Feindseligkeit
Die Feindseligkeit stellt der Mensch gewöhnlich ungern ein, weil sie ihn, wie das Wort schon sagt, trotz des Ärgers glücklich macht. Viel Feind viel Ehr! Echte Feindschaft läutert bis ins Blut. Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt. Selig macht die Wut.
[$] no feindseligkeit (pdf, 27 KB)

20 Drachensteigen
Die zerrende Schnur – laß nicht locker, mein Kind, der Herbst verheißt Geburt. Im Schlepptau Kurs Süden – schon ist Papa platt / wie ein Maulwurfshügel.
[$] no drachensteigen (pdf, 27 KB)

21 Hofkastanie
Hofkastanie, ich bette dies Lied in eine Stachelfrucht, es ist ja noch Kind. Werden im Herbst auch die Spitzbuben knien, vom tiefen Glanz des Liedes werden sie blind.
[$] no hofkastanie (pdf, 28 KB)

22 Brett Rag
Leon hat oft ein Brett vor dem Kopf. Alle Nachbarsbuben hänseln ihn laut. Doch wie blöde steht die Bande da, wenn Leon sie durch ein Astloch beschaut.
[$] no brett-rag (pdf, 26 KB)

23 Der Blattabschläger
Setzt ihm die Stadt doch ne Linde vors Haus! Daß der Besuch auf der Treppe festklebt! Und dann im Herbst: da torkelt das Laub, wenn er vorm Fegen aufs Bäumchen einschlägt ...
[$] no blattabschlaeger (pdf, 32 KB)

24 Im Parcours
Um ihren Zaum fliegt der Schaum. Sie schleuderns Hindernis bald über den Richterturm und furzen wie der Blitz. In der Pause walzt ein Traktorist / schleifenförmig die zerwühlte Bahn. Er bietet dem Volk, das schwitzt, Graziöses ohne Wahn.
[$] no parcours (pdf, 28 KB)

25 Künstlerglück
Tritt der Maler ein paar Schritte rückwärts, um verkniffnen Auges zu überblicken, was sich da seit Wochen auf der Staffelei entwickelt, mag er sich ärgern, doch dann ist er wieder froh, daß auf ihr kein Manuskript liegt.
[$] no kuenstlerglueck (pdf, 28 KB)

26 Cats Rag
Auf dem Canapé ein Rentner schlummerté. Seine Katze hütete die Pantoffeln, die so mit Wucht nach Käse stanken, daß die Katze, eingeschläfert, glatt das Spähn nach Käsdieben vergaß. Als die Maus den Schwanz der Katze sah, wand sie ihn um Rentners Stehlampe, drückte auf den Knopf und schoß ins Loch, eh die Katze brannte.
[$] no cats rag (pdf, 28 KB)

27 Umkehr
Gott warf sein Internet aus, daß wir drin zappeln. Er möchte Rückentwicklung: bis zu den Affen. So fällt der Weltuntergang durch ein paar Atombomben flach. Qualvoll bedächtig solln wir die Umkehr schaffen.
[$] no umkehr (pdf, 28 KB)

28 Um die Trollblume
Die Königin von unsrem Hochmoor weist auf rankem Halse einen gelben Turban auf. Die Großwesire wurden stark verkleinert und in einen Trog mit Sud getaucht. Die Schöpfe dieser Wichte sind ganz bleich, damit kein Schaf sich an den Wollgräsern vergreift.
[$] no trollblume (pdf, 28 KB)

29 Siebenschläfer
Siebenschläfer scheint mir ne Verhöhnung, toben sie doch gerne nachts / grad ne Handbreit über meinem Bett auf dem Dachboden herum. Kegeln mit den eignen Ködeln, dann wird wieder genascht. Fressen meine Ökomattendämmung, denn die ist gesund.
[$] no siebenschlaefer (pdf, 27 KB)

30 Wiener Blues
Die bewunderten Akrobaten und der Zirkusclown spielen die halbe Nacht Korbball aufs Känguruh. Es tanzt auf dem Dach Wiener Blues.
[$] no wiener blues (pdf, 28 KB)


Nie wieder Lieder II
CD mit 30 Zwergliedern. Selbstverlag 2012. 34 Minuten
Hörprobe: spargelzeit (mp3, 1,149 KB)

1 Kopf hoch
Grämt dich der Verdacht, daß du nie etwas Einzigartiges schaffst, sei gewiß, es gibt keinen Mensch, der dir je dein Sterben vormacht.
[$] no kopf hoch (pdf, 26 KB)

2 Ein Psalm Davids
Meine Gedanken sind, Herr, nur bei dir ... und bei dem Saul, der hat mich verhöhnt. Sporn meine Knechte, Herr, ramm seine Tür! Würg ihn, bis daß er ruft „David König!“
[$] no psalm davids (pdf, 28 KB)

3 Seuchenwarnung
Grund für ne Panik ist zum Beispiel Rinderwahn. Falls der sich zu rasch verflüchtigt, bricht sich Vogelgrippe Bahn. Ist diese gar zu harmlos verflogen, hilft das Schweinepestgerücht. Pharmakonzerne impfen gern: nur gegen Panik nicht.
[$] no seuchenwarnung (pdf, 25 KB)

4 Treue
Siehst du die zwei Raben, die vorm Hang gestaffelt rudern? Halten Abstand und Winkel ein, als lenke sie'n Computer. Eine Räbin folgt in Mittagsglut wohl kaum so exakt dem Gatten. Deshalb glaube ich, was hier dem Raben folgt, ist der eigne Schatten.
[$] no treue (pdf, 26 KB)

5 Marschbefehl
Alle Balkone, die den Winter scheun / wegen Schnee, Frost und Tausalzbefraß, fliegen morgen früh so gegen Neun auf meinen Pfiff den Rauchschwalben nach.
[$] no marschbefehl (pdf, 27 KB)

6 Walnußpost
Leise rieselt das Laub. Entführt wirds vom plappernden Flüßchen. Zum Teil fällts aus dem Walnußbaum, vermischt mit verspäteten Nüssen. Ein Stein bricht vielleicht eine auf. Dann tänzelt irgendwo ne Schalenhälfte, in der ein Halbhirn fleht: Gebt mirn paar Pelze!
[$] no walnusspost (pdf, 30 KB)

7 Mein neues Fahrrad
Mein neues Fahrrad bietet achtundzwanzig Gänge; für jeden Tag des Monats einen andren. Hinter dem Sattel hats nen extra Rückwärtslenker. Und hat nen Dopingpaß als Schieber in der Lampe.
[$] no fahrrad (pdf, 29 KB)

8 In wilden Fahnen
Ostwind reißt in wilden Fahnen Pulverschnee von kahlen Feldern. Das Zerschellen der zugefrornen Pfützen unter meinen Stiefelabsätzen widme ich den Wahlplakaten, die mich gleich im Dorf anstrahln.
[$] no wilde fahnen (pdf, 27 KB)

9 Orte der Kindheit
Orte der Kindheit, ihr seid verlorn. Wo ich in See stach, stinkt ein Teich. Ritt durch die Klappen der Katzen wie durch ein Scheunentor, Scheunentor! Unsereins wird groß; sie schnurren ein.
[$] no orte (pdf, 26 KB)

10 Sängen Vögel
Sängen alle Vögel im Chor, könnten sie uns sehr erschüttern. Aber sie sind nicht blöd: haben sich geschworn, niemals einen Dirigenten mit durchzufüttern.
[$] no voegel (pdf, 27 KB)

11 Kriege
Die daran verdienen, den Staatssekretär schmiern, sind leider nie dieselben, die die Kriege führn. Rüstungshaushalt, Sturmangriffe, Trauermärsche, Rollstuhl, Blutzoll, Grabgebinde zahln wir Ärsche.
[$] no kriege (pdf, 25 KB)

12 Am Nil
Von den Papyrusstauden Lärm wie'n Wasserfall. Das sind die Schwalben, Kindchen, die nach Norden ziehn. Träume, sie hielten leere Körbchen umkrallt; schaukeln dann Partyspieße aller Sorten drin.
[$] no nil (pdf, 28 KB)

13 Jäger, du hast ein Schwein
Jäger, du hast ein Schwein, auch manch Hirsch gemästet, um sie vom Hochsitz aus in aller Feigheit abzuknalln. Jägerlatein spricht von Wild und Strecke. Möge dein Schützenturm in Schutt und Asche falln.
[$] no jaeger (pdf, 30 KB)

14 Hafenbar
An verwaister Promenade klingeln nur die Seile der Fahnenmasten. Statt Laternen Sterne, die funkeln: tuns vermutlich ohne Absicht. Vor mir liegen Boote, sogar Jachten, die zu meinem Auftritt leise schunkeln.
[$] no hafenbar (pdf, 27 KB)

15 Hallo Füchschen
[$] no fuechschen (pdf, 14 KB)

16 Sommerabend
Am Scheunendach steht der Mond wie ein Ohr, hörts Fledermäuschen durch die Dämmerung schwirrn. Die Hoflinde, früh in Träumen verlorn, atmet erbarmungslos ihre Süße zu mir.
[$] no sommerabend (pdf, 17 KB)

17 Die Erstürmung von Schloß Konradslust
Schlagt den Stuck von diesen hohen Decken! Mag ihn der feiste Konrad fressen. Schont nur das Parkett und die Kamine: Wenn wir kühn die Stellung halten, schlurfen hier bald unsre drögen Alten, klönen über ihre Kampfverdienste ... Sturmwind reißt den Schnee in wilden Fahnen von den Feldern bis nach Tabarz. Bommels Mütze schützt uns vor Gefahren. Morgenrot, wir sehn, du trägst gern Schwarz.
[$] no erstuermung (pdf, 31 KB)

18 Arbeitspause
Gras sprießt. Auch sind da unterm knospenden Holunder die ersten Veilchen erblüht. Reiß ich hier weiter die Hauswände ein – auf den Balken mürber Gipskarton; staubiges Zeug – gehn die Hummeln mit den Veilchen ganz in Weiß: ich, ja ich hab sie bestäubt.
[$] no arbeitspause (pdf, 27 KB)

19 Meine Flöte
Meine Flöte ist ein Notbehelf, denn viel lieber säng ich aus eigenem Hals. Doch erwartet man in diesem Fall alle Töne schön in Bedeutung gewälzt. Hab schon gebetet um einen Liedtext, der mir womöglich aus dem Glied wächst.
[$] no floete (pdf, 30 KB)

20 Höhe der Zeit
Die Ärzte warnen davor, sich vom Zeitgeschehen abzukapseln. Wie das offne Türen aufstößt! Bin ich doch dem Zeitgeschehn verbunden wie jeder Baum mit den Vögeln, die täglich auf ihm rasten.
[$] no hoehe (pdf, 27 KB)

21 Die Küsse der Moderlieschen
Des schwülen Abends hab ich Beine wie Pfähle, hock mich ans Ufer, geb den Gutsteichbootssteg. Statt ner feschen Kapitänin legen nur kleine Fische an; zupfen sich Schweiß von meinen Waden; oh das erregt!
[$] no kuesse (pdf, 29 KB)

22 Himmel & Erde
Ach die Kartoffel kennt keine Knospen, schaukelt nie in Kronen. Doch dafür erspart sie sich Licht und Sonnenbrand. Fühlt sich wohl in lehmigem Schoße und so gehts mir auch mit dir. Reichst mir sogar Knospen und dein stürmisches Schaukeln raubt mirn Verstand.
[$] no himmel (pdf, 29 KB)

23 Du bist klein
Du bist klein, dein Herz ist rein von allen Machtgelüsten. Zwingt ein Fürst dich, deinen alten Hut zu lüften, zaubre ihm daraus nen Apfelgrips.
[$] no du bist klein (pdf, 25 KB)

24 Spargelzeit
Höhnt aus der Wiese die Wachtel „Bück dich nur!“, während die Sonne erbarmungslos den Sand durchglüht, bohrt sich für Ljuba das Messer, das den Spargel sticht, jubelnd ins aufgeschwemmte Fleisch des Herrn, der sie um dies Land betrügt.
[$] no spargelzeit (pdf, 26 KB)

25 Was wär das Wandern
Was wär das Wandern ohne Wanderstock! Stützt mir das Rückgrat. Drückt den Stacheldraht ins Gras. Mäht Disteln um und notfalls noch den Jäger, der auf Wegzoll pocht.
[$] no was wandern (pdf, 29 KB)

26 Kürbis
Bedenkst du Unendlichkeit, bekommt deine Hirnschale'n Sprung. Man sagt auch, sie platzt vor Neid ... auf den Kürbis, denn der ist rund. „Kürbis, wo fängst du an; Kürbis, wo hörst du auf?“ Wirst ihn abschreiten, wenn du auch ewig dazu brauchst.
[$] no kuerbis (pdf, 27 KB)

27 Münchhausener Traum
Wild ritt ich auf zwei Kanonenkugeln durch die Luft, stürzte in einen Sumpf, doch aufgrund des Sturms / leider zopflos, flehte ich zum nächsten Turm. Schon ließ Rapunzel ihr geflochtnes Haar hinab und hievte mich mitsamt der Kugeln hoch. Doch als ich die Brüstung ritt, versetzte sie mir einen Tritt, weil sie versumpfte Lunte roch.
[$] no muenchhausen (pdf, 32 KB)

28 Ruth
Arme und Beine, die Lungen, das Hirn: alles gefällig gepaart. Nur manche Lieder, die Ruth zu gern hört, sind von der ungraden Art. Wirbelt durch Säle und scheißt auf Gradheit. Ruth kommt halt ungrad in Fahrt.
[$] no ruth (pdf, 30 KB)

29 Die Erinnerung
Läßt sich nicht lernen, nicht kaufen, nicht stehlen; und fehlt sie, schlägt niemand Alarm. Wer nichts hat, an das er sich irgendwann erinnern kann, hat Pech: er bleibt auf immer arm.
[$] no erinnerung (pdf, 28 KB)

30 Der Zirkuspudel
Schnarcht die Besatzung, schnürt Pudel zu den Rängen im mondfahlen Zelt. Beim Sprung durch den Feuerreif – nach Trommelwirbeln Jubelgeschrei – feiert sich Pudel selbst.
[$] no pudel (pdf, 28 KB)


Nie wieder Lieder III
CD mit 30 Zwergliedern. Selbstverlag 2012. 34 Minuten
Hörprobe: zahnarzt denkst du (mp3, 708 KB)

1 Entfernung
Pferde fressen Hafer zu gerne, deshalb wird der Hafer knapper. Autos, Schiffe, Flugzeuge bevorzugen Benzin und Ferne, werden davon nie satt. Pech für jeden Planeten, auf dem die Ferne leider nicht nachwächst.
[$] no entfernung (pdf, 28 KB)

2 Der demographische Wandel
Droht unsrem zeugungsarmen Deutschland Entvölkrung, würde ich es, statt zu weinen, einfach schrittweise verkleinern.
[$] no demo wandel (pdf, 29 KB)

3 Abendliche Befreiungsschläge
Eisenmännchen klemmen Utes Fensterläden fest. Bevor sie die behelmten Kerle lupft, tauft sie sie zum Beispiel Joschka Fischer oder Bush. Paar Handkantenschläge, sie sind weg.
[$] no befreiungsschlaege (pdf, 28 KB)

4 In den Fluren der Kindheit
Säumt im Wald ein weiß und rot schraffiertes Plastikband einen Holzstoß oder gar des Müllers Fischteiche, treibt den Wandrer Abscheu ins Freie – blickt auf einen Bahnübergang. Kann sich arglos am Ausblick weiden: weiß und rot beschrankt.
[$] no fluren (pdf, 28 KB)

5 Abkürzung
Sehr beliebt ist die Abkürzung, zumal beim Mann. Legt übereck zwei Meter Trampelpfad an. Wenn er zum Pinkeln zum nächstgelegenen Abort eilt, nimmt er nicht Platz, wahrt vielmehr seinen Standortvorteil.
[$] no abkuerzung (pdf, 26 KB)

6 In der Friedhofsallee
Überreste der Lindenblüte knirschen unter den Schuhen. Sehn wie knusprige Semmelbrösel aus. Oma streute sie mir auf die Nudeln. Waren in Butter geröstet. Dazu Pflaumenkompott. Wird jetzt auch Oma verköstigt, vom barmherzigen Gott?
[$] no friedhofsallee (pdf, 29 KB)

7 Landwirtschaft
Landwirtschaft birgt manches Rätsel. Steht da ein Rind auf, stemmts zuerst den Hintern in die Höhe. Steht da ein Pferd auf, reckts umgekehrt erst den Schädel. Ja, warum denn? – „Weil Pferde“, sagt die Bäuerin, „keine Wiederkäuer sind.“
[$] no landwirtschaft (pdf, 29 KB)

8 Der Klimawandel
Trefft ihr den Klimawandel, seid so nett und schickt ihn gleich zu mir. Ich hock im Mai im Mantel, hämmere mit Handschuhn aufs Klavier. Denkt auch an Oma Beck, die von Wismar in den Schwarzwald zog. Vom Meer ganz unbeleckt, wartet sie auf ihren Kältetod. Trefft ihr den Klimawandel, packt ihn am Mantel, laßt ihn nicht mehr los.
[$] no klimawandel (pdf, 28 KB)

9 Böse Buben
Modernder Tang zuckt im Flüßchen, als hinge er an den Kinnen von Dorfgreisen. Beide könn' sich nicht losreißen. Fischt euch das Glibberzeug! Ballts wie Schnee – das könn' auch Ausländer. Mischt euch unters Volk des Dippenmarkts. Werfts der Deutschen Bank ans Schaufenster.
[$] no buben (pdf, 28 KB)

10 Vernissage
Wo die Gemälde vielleicht sogar hängen, durch das Mordsgedränge, schiebt sich ein Punk. Statt Krawatte kann seine Hemdbrust mit geflicktem Fahrradschlauch glänzen. Unterm Kinn der Knoten zeugt von Stil: da erigiert genau's Ventil. Schnatternde Gäste, mögt ihr auch kräftig daran saugen, es kommt nichts Unverbrauchtes. Blast euch also auf wie bekannt.
[$] no vernissage (pdf, 28 KB)

11 Im Schloßpark
Während sie träumt; ihren Rollstuhl um die Denkmäler lenkt; wird die Wolldecke auf ihren Knien / von paar stummen fetten Flocken Schnee getränkt. – Wie lang hat wohl der gefrorne Atem Gottes gebraucht, bis er endlich hier im stillen Schloßpark im Schoß ner jungen lahmen Frau auftaut?
[$] no schlosspark (pdf, 29 KB)

12 Fortschritt
Früher gabs kein Handy, das den Doktor rief, wenn des Bauern Schädel auf des Hengstes Huf traf. Heute wird ja oft schon notoperiert, währends Blaulicht noch der Autobahn zurast.
[$] no fortschritt (pdf, 26 KB)

13 Briefmarke
Unsre hübschen Briefmarken / zeigen gern Personen – außer'm Empfänger oder Absender. Das hat das Staat verboten.
[$] no briefmarke (pdf, 27 KB)

14 Was wär das Wandern II
Da das Wandern durstig macht, steck ich stets nen Apfel ein. Doch ganz verrückt, ich treff stets auch ein Pferd, das ihn mit seinen Bimsteinlippen von meiner Hand pflückt.
[$] no was wandern zwo (pdf, 27 KB)

15 Verwaister Gutshof
Wollten Knecht und Magd sich heimlich Liebe gestehn, wählten sie als Treffpunkt wohl kaum das Backsteinhäuschen, das sich an die Scheune lehnt. In der Mistgrube rostet ein Faß. – Stecke meinen Kopf durch zwei verwitterte Türen jeweils in ein morsches Plumpsklosett. Seltsam, wie die Dinge einen Wandrer verführen, der sie gern besungen hätt.
[$] no gutshof (pdf, 30 KB)

16 Stehender Akt
Bäumt sich im bläulichen Fuß des Modells, das ganz nackt dasteht, vielleicht die Zeit auf? Nein, denn sie fällt. Tropft vom Podest, kullert lautlos über die Dielen zu des Malers Sandalen. Wie er den Pinsel schwingt, während sein Schweißfuß die Zeit trinkt!
[$] no akt (pdf, 28 KB)

17 Zahnarzt, denkst du
Zahnarzt, denkst du, das wär klasse, füllt die Kasse und bringt auch Ehrfurcht. Aber über all diesen Schlünden, die so manches Elend ausatmen, drehst du – wetten? – sehr bald durch.
[$] no zahnarzt (pdf, 27 KB)

18 Gottes Langsamkeit
Erster Müßiggänger war Gott. Schuf er die Welt doch in sechs Tagen. Tat es nicht durch ein Fußaufstampfen, Fingerschnippen, ja Wimpernschlag – nein, der Allmächtige sprach bescheiden: „Alter, laß dir Zeit!“
[$] no langsamkeit (pdf, 18 KB)

19 Denkmal
Schraubt sich der Kugelstoßer in den Kreis, findet sein Widerstreit recht rüden Austrag. Schnellt er jäh mit nem Schrei in die Höhe, starrt er keuchend aus blutiger Halsröhre seinem Haupt nach.
[$] no denkmal (pdf, 26 KB)

20 Klavierkonzert
Dank des schwarzen Lacks könn' alle Pianisten immer noch zwei andre huschende Hände erspähn. Das wirkt anspornend kraft des Wissens, daß die Konkurrenz nicht schläft.
[$] no klavierkonzert (pdf, 28 KB)

21 Pansinn
Über den Buckeln der Landstraße flirrt heiße Luft. Vom Pappelhain trudelt sowas wie gebleichte Wolle übern Fluß. Weil Pan wieder mal seine Schäfchenwolken schern muß.
[$] no pansinn (pdf, 28 KB)

22 In einer Seitenstraße
Siehst du den Pflasterer, wie er da kniet und mit dem gekrümmtem Hammer zirpt? Er schafft von vorn nach hinten, scheint sich auf dem Rückzug von einer Schlacht um Profit zu befinden, vor der manchem Fußgänger immer banger wird.
[$] no seitenstrasse (pdf, 29 KB)

23 Dein Vordermann an der Supermarktkasse
Mit seiner Geldbörse pflegt er stets das Lächeln seiner Gattin mit aufzuklappen. Kannst sie zum Spottpreis sofort mitnehmen, denn er selbst hat sie satt.
[$] no supermarkt (pdf, 26 KB)

24 Schock laß nach
Ich sage euch ade. Hab meinen Schuldigen endlich gefunden. Steuert nen top ICE. Ich aber steh am Ausgang des Gotthardtunnels.
[$] no schock (pdf, 26 KB)

25 Widmung
Sprühdose im Hemd, schleicht er des nachts zur Bücherei, es reicht ihm. Streicht ihr an euren Geliebten, bevor ihr sie abgebt, mit blauem Kugelschreiber alle wesentlichen Stellen an, habens eure Nachfolger leichter.
[$] no widmung (pdf, 25 KB)

26 Dumm sind unsere Hühner
Dumm sind unsere Hühner, sie ernährn sich ganz falsch. Werden Tag für Tag grüner, kriegen' mordsdicken Hals und beschimpfen sich als Wiener.
[$] no huehner (pdf, 26 KB)

27 Rot & Schwarz
Brauchte ich nen Wappen, wär es rot und schwarz, kreist doch in Weißen wie Reichen roter Saft, während sie, ob Deutsche oder Perser, sämtlich bedenkliche Schatten werfen.
[$] no rot und schwarz (pdf, 27 KB)

28 Neben den Millionen Sterblichen
Neben den Millionen Sterblichen, die man heut erwerbslos nennt, solls auch sowas wie Millionenerben geben, die allerdings die Statistik unsrer Arbeitsämter nicht kennt.
[$] no millionen (pdf, 25 KB)

29 Schicksal der Daten
Globalisierung heißt: alles ist sensibel. Was mögen Themen und Probleme wohl empfinden? Ja, mit Daten hat mans schon so weit getrieben, daß sie beleidigt verschwinden.
[$] no daten (pdf, 27 KB)

30 Weg zum Bahnhof (nach Günter Eich)
Noch schweigt die Fabrik verödet im Mond. Das Frösteln die Früh: wär ichs bloß gewohnt! Ich tappte zum Bahnhof, döste im Zug. Ich wäre nicht froh, doch mir selbst genug. / Aus Backstubentüren zieht Brotduft und kriecht mir zärtlich ins Herz und verstört mich zutiefst.
[$] no weg zum bahnhof (pdf, 30 KB)


Schneeschippen
CD mit 12 Liedern und einem Instrumentalstück. Selbstverlag 2012. 39 Minuten
Hörprobe: schneeschippen (mp3, 3,396 KB)

Septemberlied
Streife ich zum Fluß längs der Hecke, kleben sich die Fäden der Spinnen an mich, als wär ich Teig. Und dann juckts mich. Hab gehört, die Zecken springen an auf Selbstmitleid. / Ist man eigentlich in so'm September weder frisch noch verfault? Kann man da seine Denkrichtung ändern, wie man Katzen vor- und rückwärts krault? / Hör mal, Käptn von diesem Lastkahn, fehlt dir nich nen Alter zum Schrubben deines Decks bis Calais? Und wenn du mich nach nem gültgen Paß fragst, zeig ich dir ne Fahne mit Che. / Ist man eigentlich ... / An der Litfaßsäule ne Liste mit den roten Nasen, die gerne in den Bundestag wolln. Liegen sowieso bald in der Kiste. Rufen dann: „Das Boot ist voll!“
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Das Pferd
Einen Fuß leicht angehoben, daß man glaubt, es gäbe gleich Gas. Zuckt mit dem Schweif fast wie mit nem Propeller und kommt doch kein Stück von der Stelle. Steht wie aus Stein gemeißelt im frischen Gras. / Wenns ihm gefällt ... Ohne Handschellen und Fußketten. In dieser Welt wärs sogar in Freiheit rettend, man hätt ein dickes Fell. / Ist es starr, wie es sich gibt, erübrigt sich die Angst vor dem Pferd. Prüf seine Wampe, sie kriegt sogar Dellen, bohrst dun Daumen auf einer Stelle. Hoffentlich hattes nicht Spinat als Desert. / Streich ihm ums Maul – du wirst schwören, du hättst grad einen Pfirsich liebkost. Zumal der Gaul duftet wie der Parasol dort am Waldrand im Moos. / Mich als Knirps an ein Klavier zu zwingen, war ich zu unbegabt. Wie aber, höb mich ein kräftiger Papa, auch betucht genug, in den Sattel von diesem Pferd, ich brächtes, wetten, auf Trab!
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Troy-Davis-Blues
Es muß beruhigend sein, das Bett im Kreuz, du bist sogar angeschnallt, damit du nicht fällst. Es muß beruhigend sein, den Doktor zu sehen, mit der blanken Spritze, die dich gleich betäubt, beruhigend für die Welt. / Schwörn die Zeugen seit paar Jahrn: den Cop erschossen hat er nicht, mußt du gleichwohl sterben, sonst verlörn die Richter ihr Gesicht. / Allerdings: nur einmal sterben wär zu mild in diesem Land. Deshalb die 20 Jährchen in einer Zelle mit dem Gemälde jener Spritze an der Wand. / Es muß beruhigend sein, das Bett im Kreuz, du bist sogar angeschnallt, damit du nicht fällst. Es muß beruhigend sein, den Doktor zu sehen, mit der blanken Spritze, die dich gleich betäubt, beruhigend für die Welt. / Wärst du Präsident gewesen, oder wenigstens nicht schwarz, hättest du die Slums gemieden und die Welt legal genarrt. / Doch zum Glück im Unglück wird dein Arzttermin unterm Gurt in den 20 Jährchen dreimal verschoben – was für ne Gnade: dreimal Wiedergeburt. / Wäscht sich nun der Arzt die Hände, atmet Georgia endlich auf. Und auch die Witwe des Polizisten – sie war zugegen – fährt beruhigt nach Haus.
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Hohnarbeit
Seit uns Deutschen die KZs geschlossen wurden, seit dem Einfall all der Jugos, Moslems, Kurden wird die Arbeit so bedrohlich knapper, daß wir auch mit Lust als Klofrau schaffen. Lohnarbeit – seis auf dem Mond. / Für ne Arbeit sind wir Kilometerfresser. Für ne Arbeit schlucken wir Rosétabletten. Wir verordnen unsrer kleinen Schwester auf der Reeperbahn ein Thai-Semester. Lohnarbeit – auch für den Sohn. / Katzenstreu, Patronen, Luft – wir füllns in Säcke. Hauptsache, wir tuns auf echten Arbeitsplätzen. Dafür lohnts sich Banken zu erretten und Paschtunen in den Sarg zu stecken. Lohnarbeit erntet den Mohn. / Mancher sagt, wir könnten wohl auch ohne Löhne produzieren, essen und der Liebe frönen. Doch die Leute, die uns Arbeit geben, würde ohne uns zu bitter leben. Hohnarbeit ist unser Lohn.
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Andacht
Klar ist die Winternacht. Ich steh vorm Haus. Schlage mein Wasser ab unter dem Kirschbaum, der kahl ist, und äuge beim Pinkeln befremdet hinauf. / Hab ich nen Weihnachtsbaum? Ist er doch übersät mit goldenem, glitzerndem Schmuck. Hole die Leiter, Mann, und irgendein Gefäß, um ihn rasch zu pflücken, wenn grad keiner guckt. / Führ dich nur lustig auf, Pinkellaus. Wir ziehn hier Kreise, ob kalt oder heiß, ist egal, aber du, Freund, zerfällst schon in Kürze zu Staub.
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Jubiläumssong
Von Natur aus lebensmüde, wüßte ich doch seit dem elftem September 2001 (yes, you remember) einen starken Grund für den befremdlichen Wunsch, ich lebte noch lang und länger. / Wenn es sein muß, länger als die Wolkenkratzer, die im Hort der Freiheit jäh in Schutt zerfieln. Blühn doch auf den Trümmerbergen nichts als wüste Theorien über die Täter. Unterdessen wirds wieder später. / Wer hat diese Kräfte entfesselt, die den Weltkrieg schürn? Wer hing da sein Päckchen Sprengstoff an die eigne Kellertür?
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Kleiner Bahnhof
Unkraut im Schotter, die Schienen verrostet, die Uhr steht auf Mond. Schönes Gebäude. Die Fenster verrammelt, daß niemand drin wohnt. / Kommt da nicht trotzdem ne Lok angestampft? Schält sich da nicht ne Person aus dem dichten Dampf? / Onkel aus Georgia, wie nett, daß du mal nachschaust, worans mir grad mangelt. Lady aus Yorkshire, du hättst dir wohl zu gern einen Dichter geangelt. / Doch mir zu Füßen beugt sich ein Fingerhut über das Gleis. Läutet mit Blüten, die hübsch sind, Alarm, daß er unversehrt bleibt.
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Im Schlaraffenland
Da perlt es durch den Schlauch, der an meinem Bett am Galgen hängt und leise zuckt. Da perlt der pure Nährstoff aus diesem Plastikbeutel stracks in meinen Magen, ohne daß ich auch nur müde kauen muß. / Ja wer hätte das gedacht, daß ich auf meine alten Tage so bequem im Schlaraffenland lieg. Immer auf dem Rücken, immer zum Entzücken meiner treuen Gattin, die mich auch als schlaffen Mann liebt. / Da perlt es durch den Schlauch, der an meinem Bett am Galgen hängt und leise zuckt. Da perlt der pure Nährstoff aus diesem Plastikbeutel stracks in meinen Magen, ohne daß ich auch nur müde kauen muß. / Ja das ist genial erfunden, daran kann ein Gott gesunden, Schwester Kim, Sie sind meine Zeugin. Niemals widersetz ich mich dem Windelwechsel. Zur Belohnung werde ich gemästet wie ein Säugling.
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Lied vom Verdruß
Da belästigt mich ne Frau, die sonst Särge putzt. Man verlacht meine Hosen, stiehlt meinen Pelz. Wer mich aber noch am häufigsten ärgern muß, das bin ich selbst. / Der Verlagsleiter befindet, mein Werk sei Stuß. Journalisten verschweigen Kriege für Geld. Wer mich aber ... / Jeder Blick in eure Schaufenster stärkt Verdruß. Mich beglückt euer Handy im Campingzelt. Wer mich aber ... / Hilly Clinton gibt dem GI nen Schergenkuß. Nur zu mir kommt nicht eine, die mir gefällt. Wer mich aber ...
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Leidenschaften
A. ist verzaubert, sobald des Queues Kuppe die weiße Kugel küßt. Klatscht gar ne Rote durch nen Zugball in eine Tasche, / wähnt er sich am Snookertisch im Himmel, preist den Gott, der diesen Stock als Waffe schuf. Draußen striegelt B. nen Apfelschimmel, bandagiert auch den schwachen Huf. / So nen Billardstock nähm B. grad mal als Querstange am Koppeltor. B. flüstert alles Glück, vorgebeugt beim Galopp, in des Pferdes Ohr. / C. ist verzaubert, wenn Sauerteig über den Rand ner Brotform lugt. D. liegt im Röhricht auf der Lauer nach seltnen Vögeln. / E. hats mehr mit solchen Schwalbenschwänzen, die er sägt, weil das die Möbel fest verfugt. F. flicht Zöpfe, als wärns Lorbeerkränze. G. melkt das Volk, als wärs ne Kuh. / Eins nur gibt es, das alle teilen. Sie schütteln gerne ihren Kopf über des anderen alberne Leidenschaft. Manchmal bis zum Haß.
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Glück der Frauen
Es war ohne Zweifel allerhöchste Zeit, daß man auch den Fraun die Freiheit schenkt ... ne Fabrik zu leiten odern Krieg gegen einen Schurkenstaat, der das Weib durch Schleier kränkt. / Keine Frau ist zu dumm. Bindet ihr nur ne Krawatte um. / Weil sie gleich ist, kann die Frau auch Porsche fahrn, und wenn sie Pech hat, ist sie gleich tot. Großbäckerinnen schmuggeln auch mal Rattenhirn ins Weißbrot. / Es entspricht gewiß nur ihrer Wesensart, wenn sich auch die Frau dem Wachstum weiht. Erdgasröhren, Geigerzähler, Krebs, Ölschlickpflüge, Venusfahrt, daß auch der Profit gedeiht. / Keine Frau ... / Gebt der Frau nen Doktorhut, nen Drohnenschein, gebt ihr nen Bock, doch keine Kinda. Fehlts ihr an Ehrgeiz, stellt sie wenigstens an die Marimba.
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Schneeschippen
Wo hängt die Mütze, wo liegen die Handschuh? Pack dir den Schieber, Alter, es schneit. Wo bleibt die Neugier, was heut wohl unterm Schnee zum Vorschein kommt. Nachbars Köter hebt grad sein Bein. / Hätt mir gern Kräuter vom Beet geschnitten, mich nach dem Mahl in den See geschmissen. Wär jetzt zu kalt. Bin schon zu alt. / So an die Säge, den Ofen gekettet, kommt man sich selber wien Köter vor. Wo bleibt die Neugier, was heut sich aus den Schals und Mänteln schält. Radio sagt, ein Tramp ist erfrorn. / Hätt gern Holunder und Harz gerochen und einer Nixe das Herz gebrochen. Wär jetzt zu kalt. Bin schon zu alt.
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Der Fuchstanz stammt aus dem Divertimento Nr.1 op. 20 für Streicher des ungarischen Komponisten Leo Weiner (1885–1960).


Ziegen
CD mit 12 Instrumentalstücken. Selbstverlag 2012. 38 Minuten
Hörprobe: ludwigs ferkel (mp3, 2,850 KB)

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[$] wer hat den krieg befohlen (pdf, 21 KB)
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