Dienstag, 11. August 2026
Lubina Hollan-Raupp

Die DDR-Organistin (1927–64, auch: Holanec-Rawpowa u.a.) wurde in Kleinbautzen als Tochter des sozialdemo-kratischen Lehrers und Kantors Ernst Hollan geboren, der unter den Nazis (1934) wegen antifaschistisch-sorbischer Gesinnung aus dem Schuldienst entlassen worden war.* Studium in Leipzig und Prag, Konzertreisen im Ostblock, wiederholt preisgekrönt. In ihrem Programm war Hollan-Raupp vielseitig, ungefähr von Bach bis Hindemith, darunter etliche tschechische Komponisten, beispielsweise Alois Hába. Sorbische Musik für die Orgel lag allerdings zu ihrer Zeit kaum vor. Auf diesem Gebiet griff sie aufs Klavier zurück, etwa als Liedbegleiterin. Sie unterrichtete auch Klavier am Sorbischen Institut für Lehrerbildung. Zur Todesursache teilt mir das heutige Institut mit, in den Nachrufen heiße es, Hollan-Raupp sei, mit knapp 37 Jahren, »nach langer Krankheit« verstorben. Carmen Schumann** wußte es 2004 genauer: Krebs. Als Witwer blieb der Musikwissenschaftler und Komponist Jan Raupp zurück (ein Sohn), der als »Nestor neuer sorbischer Musik« galt. Er starb 2007 mit knapp 80.
~~~ Die eher kleine westslawische Volksgruppe der Sorben, auch Wenden genannt, siedelte seit Jahrhun-derten in Nieder- und Oberlausitz, also beiderseits der Spree im Bereich der heutigen Städte Lübben, Cottbus, Hoyerswerda, Bautzen. Den sorbischen Einzelhöfen dienten häufig Wasserläufe als Dorfstraßen. Die sorbischen Frauen glänzten durch ausladende Hauben, die bald die Kähne kentern ließen. Diese slawische Minderheit wurde oft benachteiligt und unterdrückt. Im deutschen Faschismus war sogar der Gebrauch der sorbischen Sprache verboten. Die DDR dagegen war um Förderung der sorbischen Eigenständigkeit bemüht – bis zum Anarchismus ging das aber nicht.
~~~ In Werner Bergengruens dickleibigem Mittelalter-Roman Am Himmel wie auf Erden kommen die Wenden ganz gut weg. Der brandenburgische Kurfürst Joachim hat sogar einen wendischen Kutscher, Juro. Diese Schonung könnte mit zur Ächtung des eigentlich obrigkeitsfreund-lichen Werkes durch die Nazis beigetragen haben.

∞ Verfaßt um 2015
* Detlev Kobela, »Lubina Hollan-Raupp«, in: Lětopis – Zeitschrift für sorbische Sprache, Geschichte und Kultur (Bautzen), Nr. 17, 1974,
S. 127–31
** Carmen Schumann, https://www.saechsische.de/plus/eine-virtuosin-im-besten-sinne-des-wortes-666067.html, 6. Mai 2004

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