Donnerstag, 14. Juli 2022
Cochran, Eddie

21 (1938–60). Ruhm durch Rockmusik ist ohne ein welt-weites Netz unterschiedlichster Transportmittel, darunter Rundfunkwellen, Fahrzeuge aller Art und Laserstrahlen, undenkbar. Live-Konzerte sind dabei keineswegs unabdingbar, wie uns gerade die Corona-Regime dieses von Wahnsinnigen bevölkerten Planeten beweisen. Selbst-verständlich zählen auch die Fans zu den Wahnsinnigen. Wie es aussieht, sind Rock- und Popmusik so wenig totzukriegen wie Profifußball. Wenn sich demnächst ein Mensch (oder ein Roboter) dazu entschließt, die nächste Atombombe zu werfen, werden auf Milliarden Computern perfekt gestylte Musikvideos laufen, bis die Computer geschmolzen sind.

Übrigens hatte es schon vier Jahre vor Patsy Clines endgültiger Erkältung, nämlich am 3. Februar 1959 bei Mason City, Iowa, einen Aufsehen erregenden Kleinflugzeug-Absturz mit gleichfalls vier jungen Toten gegeben, davon drei Musiker, darunter Buddy Holly, 22. Das war nicht der erste und nicht der letzte »the day the music died«, so Don McLean 1971 in seinem Schlager American Pie. Gleichwohl bevorzugte der steinreiche 27jährige Kurt Donald Cobain, Frontman der US-Band Nirvana, die einsame Lösung. Er erschoß sich 1994 in seinem Haus in Seattle, Washington, vermittels Heroinspritze plus Gewehr. Cobain hinterließ Frau und Tochter, die auf diese Art ebenfalls steinreich wurden.

Für mein Empfinden ist aber Cochrans Ende interessanter. Der liebe Künstler und Landsmann (aus Minnesota) hatte zu jenem legendären Flugzeugabsturz in Iowa sogar einen Song aufgenommen, Three Stars von Tommy Dee. Ferner hatte er die Welt und etliche »covernde« Kollegen unter anderem mit dem Stück Summertime Blues (1958) beglückt. Als Cochran im April 1960, erst 21 Jahre alt, mit seiner Geliebten Sharon Sheeley im Taxi von Bristol nach London fuhr (Strecke per Auto um 170 Kilometer), hatte er, wie es der Zufall so will, gerade das Stück Three Steps to Heaven aufgenommen, das sich verständlicherweise ebenfalls sogleich als Hit erwies. Der Musiker zog sich nämlich auf dieser kostspieligen und mutmaßlich verspätet angetretenen Anreise zum Flughafen Heathrow tödliche Kopfverletzungen zu, weil das rasant fahrende Taxi in Chippenham (östlich von Bristol) aus mir unbekannten, jedoch naheliegenden Gründen gegen einen Laternenpfahl prallte. Andere Fahrzeuge waren nicht beteiligt. Cochran wurde von der Hinterbank durch die aufspringende Wagentür nach draußen geschleudert. Zurück blieben, mehr oder weniger schwer verletzt, Tourmanager Pat Thomkins, Cochrans Freund Gene Vincent und seine bereits erwähnte Geliebte, ferner der unverletzte 19jährige Taxifahrer George M., der seines Berufes, womöglich auch seines Lebens, nie wieder froh wurde. Jedenfalls entzog man ihm, wegen »dangerous driving«, neben 50 Englischen Pfund für 15 Jahre die Fahrerlaubnis. Einer muß ja schließlich die Hauptschuld an dem ganzen Irrsinn tragen.
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