Dienstag, 12. Juli 2022
Happel, Friedrich

29 (1825–54), Düsseldorfer Maler und Jägersmann. Allerdings stammte er aus Arnsberg im Sauerland, was seinen Wildstudien entgegenkam. Im dortigen Schloß Herdringen saß nämlich die Sippe der kunstfreundlich gestimmten Freiherren Von Fürstenberg, die Happel öfter ein Bett oder wenigstens einen Imbiß bot und ihm dadurch viele Streifzüge durch Wald und Flur ermöglichte. So gab er sich, wie im Leben, auch auf der Leinwand vorwiegend dem Wildbret und dem Waidmannsheil hin.* Verheiratet war er nicht. Sein Lieblingswild sollen Füchse gewesen sein. Man kann aber schlau sein wie man will, man wird selbst mit freundlichem Beistand der Düsseldorfer und Arnsberger Stadtarchive nicht herausfinden, warum nun Happel selber bereits mit 29 Jahren alle Viere von sich streckte. Das war Anfang Juli 1854 in Düsseldorf. Zu allem Unglück hatte es nur wenige Wochen vorher, Ende Mai, auch Friedrich Happels 41 Jahre alten Bruder Peter Heinrich Happel, einen Landschaftsmaler, in derselben Stadt erwischt. Dieser ältere Bruder war mit Amalie geb. Klein verheiratet. Beide Sterbeurkunden der Brüder lassen jeden Hinweis auf die Todesursache schmerzlich vermissen. Man könnte mutmaßen, sie hätten sich gegenseitig oder bei Dritten mit derselben tödlichen, vielleicht schon seuchenhaften Krankheit angesteckt – und weiß doch nur mit ziemlicher Sicherheit, Corona war es nicht.

Ist bei den Happels wenig zu holen, sollte ich mich vielleicht ersatzweise fragen, worin eigentlich der große Reiz bestehe, den Gemälde oder Grafiken auf fast jeden Menschen ausüben. Die Antwort liegt gleichsam auf der Hand, zumal ich sie bereits unter Bonington angedeutet habe: In ihrer Überschaubarkeit. Das unterscheidet sie sowohl von der Realität wie von einem Roman. Das Stoffliche und Farbige an den Gemälden oder Grafiken könnte niemals ihre große weltweite Beliebtheit erklären. Die ungemalte Welt ist ja wahrhaftig stofflich und bunt genug. Nur übersichtlich ist sie eben nicht. Wobei uns das furchterregende Chaos in der Regel schon aus unserem Alltag und unserem Gemütshaushalt anspringt. Das Bild jedoch schafft Ordnung, Klarheit, Frieden in einem. Es hängt auch dann wie ein paradiesisches Südseeatoll an unsrer Wand, wenn es lauter leere Flaschen oder wütende Pinselhiebe zeigt, die der Künstler bestens aufzuräumen verstand. Hängt es gar noch in einem Rahmen, kann ihm nichts mehr etwas anhaben.

Das heißt … Wie ich von meiner Berliner Freundin U. weiß, gab der Grafiker und Maler Heinz Weisbrich im Unterricht gern die Geschichte eines Einbruchs zum Besten. Er zählte zu U.s Lehrern. Ein Professoren-Kollege von ihm besaß eine kleine Villa, in der etliche kostbare Gemälde hingen, darunter ein kaum hackbrettgroßer Vlaminck mit einem Vorstadthaus zwischen flammenden Bäumen. Voller Entsetzen habe der Kollege eines morgens die hellen Flecken an seinen Salonwänden gemustert. Dann fiel sein Blick auf das einzige Gemälde, das die Diebe verschmäht hatten. Es war sein einziger Weisbrich.

* https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Happel#/media/Datei:Happel_Fr%C3%B6hlicher_J%C3%A4ger.jpg
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