Freitag, 8. Juli 2022
Toschke, André Michael

38 (1972–2011), deutscher Mediziner, zuletzt Professor in München. Der Nachruf* der International Biometric Society (IBS) nennt ihn schlicht Arzt und Epidemiologe. Im April 2010 sei der offene Mann, der bei seinen Studenten oft Begeisterung für die Epidemiologie erweckt habe, »plötzlich und schwer erkrankt«. Woran, verrät das Fachblatt nicht. Der Nachruf im ganzen läßt freilich Schlimmes ahnen – wenn nicht für Toschke selber, dann für künftige Generationen. Forscher Toschke hatte sich »drängenden Gesundheitsfragen« gewidmet. Das Methodische seiner Aufmerksamkeit übergehe ich, weil es, im Nachruf, von einschüchterndem Fachchinesisch wimmelt. Thematisch hätten seine Arbeiten um Kindliche Adipositas (krankhaftes Übergewicht) und Schlaganfall gekreist. »Er initiierte mit klinischen Partnern große Projekte zur Kinder- und Jugendgesundheit, die durch die Deutsche Krebshilfe … gefördert wurden …«

Also, woran ist er denn nun gestorben? Nach Toschkes Kollegen Reuther sind die inzwischen häufigsten Todesarten Arterienverschlüsse und Krebs. Diese Erkrankungen würden »auch durch Medikamente« verursacht, behauptet Reuther. Zu Krebserkrankungen stellt er außerdem unumwunden fest, ihre deutliche Zunahme seit Beginn der Industrialisierung gehe »maßgeblich« aufs Konto von Umweltgiften, also beispielsweise Giften in Düngemitteln oder Baustoffen.** Oder sollte es in Toschkes Fall ein Schlaganfall gewesen sein, dem er noch nicht ausreichend zuvorgekommen war? An einer anderen Stelle widmet sich Reuther dem allerjüngsten Geschäftsmodell des Medizinisch-Industriellen Komplexes, das mal »Früherkennung«, mal »Vorsorge«, mal »Prävention« heißt. Die Verhütung von Krankheiten, die man gar nicht bekommen hätte, stelle einen Mißbrauch riesigen Ausmaßes dar. Durch Fahn-dungen, Medikamente, Impfungen, sogar Operationen gebe man vor, beispielsweise, neben Krebs, auch Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verhindern. Wenn sich die Unwirksamkeit oder Schädlichkeit der Maßnahme herausstelle, habe sich ihr Profiteur »längst aus dem Staub gemacht«.

Nun will ich nicht ausschließen, der fahnenflüchtige Forscher Toschke habe auch durch harmlose Programme versucht, sich einen Namen zu machen. Zum Beispiel war er 2009 Mitautor des Pedriatics-Artikels »Promotion and Provision of Drinking Water in Schools for Overweight Prevention«, April 2009. Ob er eher das Wasser aus der Quelle X oder das aus der Quelle Y empfahl, kann ich nicht sagen. Möglicherweise kommt es nur darauf an, sie sprudelt.

Im Grunde ist Toschkes frühes Ableben (mit knapp 39) natürlich ein Jammer, weil er dadurch die Ausrufung der Bill-Gates-Angela-Merkel-Pandemie nicht mehr erleben und mitgestalten durfte. In meiner Stammbuchhandlung geht seit geraumer Zeit ein, sagen wir, vollbärtiger Mann einer Halbtagsbeschäftigung nach, der wie ich zu den Pionieren der hiesigen, mehr oder weniger anarchistisch orientierten Puppenfabrikkommune zählt. In dieser wohnt er nach wie vor. Als ich den Buchladen im vergangenen Sommer (2020) einmal ohne Maske betrat, weil ich ihn ja gar nicht auszurauben gedachte, verbarg er seine Befremdung mit dem Scherz, an »Maskenmuffel« dürfe er eigentlich nichts verkaufen. Also kramte ich meine Maske aus der Arschkippe und setzte sie folgsam auf. Die Krönung erlebte ich aber erst dieser Tage, als ich »schon wieder« ein pandemiekritisches Werk abholen wollte, das mir seine Kollegin bestellt hatte. Ich bezahlte und wandte mich zur Tür. Plötzlich meinte mein Ex-Genosse mit teils gequälter, teils strafender Miene: »Eine solche Lektüre kann ich natürlich nicht gutheißen, mein lieber Henner …« Dazu nickte ich nur.

Just in meiner Puppenfabrikzeit, um 2005, war ich öfter mit Texten in dem Monatsblatt für Selbstorganisation Contraste vertreten. Ich war für dieses Forum dankbar, zumal es keineswegs stümperhaft gemacht war. Aber nach 2010 ging mir zunehmend die Einreihung des Blattes in die ausgesprochen breite Querfront der KämpferInnen fürs Klima gegen den Strich. Das Faß lief im Juni 2020 über, als ich eine durchaus geschickt geschriebene Kolumne des Stammautors U. F. las. Unter dem Titel in Gänsefüßchen »Das blöde Robert-Koch-Institut« bekennt er da »viel Verständnis für die [Corona-]Maßnahmen des Staates«, pocht auf die »hohe Zustimmung« für diesselben, wie es AnbeterInnen der Mehrheit=Stärke immer tun, und schlägt den Lesern des alternativen Blattes vor, »einfach nur mitzumachen, wenn der Staat versucht, ein mehr oder weniger gelungenes Krisenmanagement zu fahren«. Nach dieser peinlichen volksgemeinschaftlichen Wegweisung hatte mich das Blatt auch als Leser verloren.

Gewiß war ich, als ziemlich konsequenter Antiautoritärer oder Anarchist, schon immer Außenseiter. Aber dann kam noch der Wahn mit dem »Klimawandel« hinzu – und neuerdings setzt der Impfwahn allem die Krone auf. Ich wüßte keine fünf Leute in meinem Bekanntenkreis, die nicht davon angesteckt wären. Man ist nahezu absolut isoliert. Die Volksgemeinschaft setzt jetzt nicht mehr die von Symptomen befallenen kranken Mitbürger in Quarantäne; sie macht es mit den kerngesunden Außenseitern. Ob ich inzwischen noch, per Eisenbahn, zu einer Gothaer oder Eisenacher Buchhandlung ausweichen könnte, wage ich zu bezweifeln: Reisekontrollen. Und die Tage, wo ich noch Brot und Käse einkaufen darf – handy- und impfpaßlos, wie ich bin, dafür ein Bargeldtrottel – sind auch schon gezählt.

* Rundschreiben der deutschen IBS-Sektion, Heft 1, Juni 2011,
S. 28/29: http://www.biometrische-gesellschaft.de/fileadmin/AG_Daten/Publikationen/PDFs/RS2011-1.pdf
** Heilung Nebensache S. 323 + 335 + 303/4

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