Freitag, 8. Juli 2022
Richter, Max Emanuel

17 (18o3–21), Sohn des Schriftstellers Jean Paul, »miß-raten«, zerrüttet. Der trinkfreudige Vater lebt mit seiner Gattin Karoline seit 1804 in Bayreuth, drei Kinder. Hier wird er zusehends kränker.* Er läßt seine Getränke untersuchen, bemüht eine Hellseherin, wankt von einem Aderlaß zum nächsten, was ihn freilich nur noch kränker machen kann.** Zu allem Unglück liegt ihm auch noch der einzige Sohn auf der Leber, der ebenfalls schon wackelt. Dr. Philipp Hausser behauptet: weil er »vorgeschädigt« sei, durch eine »schizoide Veranlagung« nämlich. Und nun sei er auch noch »durch unüberlegtes Verleihen seiner an sich ausreichenden väterlichen Mittel und durch seinen Umgang mit einer Gruppe junger Mystiker körperlich geschwächt und seelisch verelendet« … Der 17jährige hatte zuletzt in Heidelberg studiert. Er steht unter dem sattsam bekannten Druck, seinem schon fast berühmten Vater keine Schande zu machen, etwas zu werden, fragt sich nur, was ..? Max begeistert sich für den hingerichteten Studenten Sand, den Mörder des Mannheimer Gelehrten August von Kotzebue. Sand stammt auch noch aus Wunsiedel, gleich bei Bayreuth! Einerseits sammelt Max Reliquien vom Attentat, andererseits wird er immer schwermütiger. Der Vater ringt in vielen Briefen um ihn. Endlich, Mitte September 1821, trifft Max per Kutsche völlig abgebrannt und fiebernd in Bayreuth ein. Nach wenigen Tagen haucht er sein knapp 18jähriges Leben aus. Alle Kuren schlugen nicht an. Typhus soll auch im Spiel gewesen sein. Dr. Hausser spricht von einem »gnädigen« Ende. Jedenfalls hatte sich dadurch die Frage der Berufswahl beziehungsweise der ruhmreichen Laufbahn erübrigt.

* Hilde und Peter Zielinski, »Leben und Sterben in Bayreuth«, Webseite Jean-Paul-Weg, 18. August 2017: https://www.jeanpaulweg.com/2017/08/18/29-leben-und-sterben-in-bayreuth-teil-5-tod/
** Den »therapeutischen Unfug« des Aderlasses (Gerd Reuther, Heilung Nebensache, 2021, S. 140) streifte ich bereits in Heft 5, Das Offensichtliche.

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