Donnerstag, 7. Juli 2022
Veronika Fischer (Politikerin)
2022


Zu den 20 größten postmodernen Übeln dürften der Autoverkehr, die Berufspolitik und die Frauenbefreiung zählen. Frau Fischer repräsentierte sie gleich im Strauß. Als sie am Sonntag den 6. Mai 2012 aus ihrer am Mayener Marktplatz gelegenen kleinen Wohnung getragen wurde, war sie tot. Da hatte sie die Übel immerhin schon 47 Jahre lang ausgehalten. Mayen, knapp 20.000 EinwohnerInnen, liegt westlich von Koblenz. Fischer (CDU) war die amtierende Oberbürgermeisterin der Eifelstadt gewesen. Sie hatte zwei halbwüchsige Kinder, lebte jedoch »seit einiger Zeit« von denen und deren Vater getrennt. Die gebürtige Westfälin stand in jeder Hinsicht auf eigenen Füßen. Sie war gelernte Juristin, ehrgeizig und sogar filmbar. Prompt mauserte sich das blonde »Frauchen« um 2000 zur »knallharten« Politikerin, wie es überall heißt. Indessen ahnten die Zeitgenossen auch vielerorts, daß Fischer »innen« eher einer empfindlichen Schwimmblase glich. Schon am Samstag als vermißt gemeldet, war sie anderntags in ihre bereits durchsuchte Wohnung zurückgekehrt, wo sie abends nur noch tot vorgefunden wurde. Die Art des Selbstmordes wird nirgends genannt. Kummer mit Nahestehenden wird zwar gemutmaßt. Wahrscheinlich habe Fischer aber vornehmlich unter dem von ihr mitgeschaffenen Arbeitsklima gelitten: den meist versteckt vorgebrachten Angriffen auf diese »Chefin« also, die es angeblich liebte, ihre Kollegen im Stadtrat entweder stundenlang an die Wand zu reden oder mit knappen bissigen Kommentaren an derselben aufzuspießen. Das Magazin Focus wußte auch, Fischer hatte erst Ende März einen »schweren« Autounfall gehabt, bei dem ihr Wagen in Brand geriet; sie habe sich freilich noch aus diesem retten können. Denkbare andere brennende oder nicht brennende Unfallopfer übergeht das Magazin. Diesen Crash überstand sie also glimpflich. Bald darauf, am 8. Mai, war der Regionalpresse zu entnehmen, die größere Katastrophe habe die zierliche Frau, die so gern Machthaberin war, wenige Tage vor ihrem Tod geahnt, als sie seufzte: »Dieser Job bringt einen um.«

Liegt Martin Randelhoff von der TU Dortmund (2019) richtig, leistet sich die Welt jährlich 1,35 Millionen, täglich rund 3.700 Straßenverkehrstote. Tag für Tag wird also ein traditionsreiches Städtchen wie Freyburg an der Unstrut ausradiert, nur möchte es keiner sehen. Bei Kindern sei der Straßenverkehr bereits die häufigste Todesursache. Die jährlichen Verletzten schätzt Randelhoff auf 50 Millionen. Da die Autos inzwischen Panzern ähneln, landen heutzutage nicht mehr ganz soviele Leute im Sarg oder im Rollstuhl. Zukünftig nur mit einem Daumen und dem eingebrannten Schrecken zu erwachen, ist allerdings auch nicht gerade ermunternd. Hätte Randelhoff seine Zahlen den Corona-Viren unterbreitet, hätten sie sich totgelacht. Stellte man ähnlich überraschend, wie kürzlich eine sogenannte Pandemie ausgerufen wurde, die weltweite Produktion von Autos ein, bräche wohl mehr als nur Freyburg an der Unstrut zusammen.

An das Unglück, die UNO nähme plötzlich die postmo-derne Befreiung der Frau zurück, darf man gar nicht denken. Keine Tesla-Managerinnen mehr, keine Soldatinnen und Kriegsministerinnen, keine Bischöfinnen, Fernsehintendantinnen und Oberbürgermeisterinnen und so weiter und so fort. Für jeden männlichen Schandtäter, der wohlweislich erst einmal Gras über sein Verbrechen wachsen lassen will, findet sich in der Postmoderne auf der Stelle weiblicher Ersatz. Bleibt nur noch zu hoffen, Fischers Kinder, einerlei welchen Geschlechts, hätten mehr Glück als die Mutter.
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