Dienstag, 5. Juli 2022
Sosa, Julio

38 (1926–64), U-Sänger aus Uruguay, ab 1949 in Buenos Aires tätig, wo er rasch zu Ruhm, Geld und dem Titel »El Barón del Tango« kommt. Was Wunder, wenn sich Sosa, bei seiner Männlichkeit, auch für Sportwagen begeistert und etliche Unfälle baut. Zuletzt, in den frühen Morgen-stunden des 25. November 1964, rast er in der Avenida Figueroa Alcorta der argentinischen Hauptstadt mit einem DKW Fissore nach einem »wilden« Ausweichmanöver* gegen den Betonpfeiler einer Lichtsignalanlage, woran er, mit 38, am nächstem Tage stirbt. Von weiteren Personenschäden ist nichts zu lesen. Er allein genügte bereits, um Lateinamerika vorübergehend auf Tränen schwimmen zu lassen. Schließlich war die Angelegenheit, um einen Schlagertitel des Künstlers aufzugreifen, weder Leichtsinn, Schwermut, Größenwahn gewesen; vielmehr »Mala Suerte«, nämlich Pech.

Ich gebe zu, sie war auch ein Zeitproblem gewesen. Stars wie Sosa haben es beträchtlich eiliger als der gewöhnliche Sterbliche, weil sie ja auch viel mehr Geld verdienen müssen als der. Man kennt diesen Zusammenhang vielleicht: Zeit ist Geld. In grauer zähflüssiger Vorzeit war er allerdings unbekannt. Homo erectus hat seinen Faustkeil über eine Million Jahre hinweg nahezu unverändert hergestellt. Auch was unseren gedrungenen und behaarten Vetter aus dem Neandertal angeht, konnten die ForscherInnen für den beachtlichen Zeitraum von 20.000 Jahren keine erwähnenswerte Veränderung in der Werkzeugtechnik auffinden. Dasselbe gilt für die eiszeitlichen Bildwerke, die wir Kunst nennen. Mit der Musik hatte man damals noch nichts am Hut, wie ich stark annehme. Ich belasse es bei dieser Abschweifung und verweise auf die folgende, schon etwas abgestandene Betrachtung »Keine Zeit«. Einen Vorgeschmack auf sie mögen Ihnen ein paar Takte Musik geben.

* Thomas Wirth / Stefan Warter, »Die Schöne in der Fremde«, Magazin Octane, Nr. 13 (wohl von 2014): https://www.octane-magazin.de/die-schoene-in-der-fremde/
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