Freitag, 1. Juli 2022
Bachmeier, Anna

7 († 1980). Das kleine Lübecker Mädchen wurde mutmaß-lich vom Metzger Klaus Grabowski erwürgt, einem vorbestraften »Sexualstraftäter«. Ein Jahr darauf, 1981 mit 35, wird Grabowski von Annas Mutter Marianne, einer knapp 31jährigen Wirtin, im Gerichtssaal zu Lübeck mit einer von ihr eingeschmuggelten Pistole erschossen. Man verurteilt die hübsche, zierliche Frau zu sechs Jahren Gefängnis. Später, nun 46 Jahre alt, erliegt sie einer Krebserkrankung. Wie manche Quellen betonen, war Marianne Bachmeier schon durch ihren autoritären Vater, frühe Geburten und eine Vergewaltigung geschädigt. Ihr fröhliches Töchterchen war beim Schuleschwänzen entführt worden. Ob es in der stundenlangen Gefangenschaft mißbraucht wurde, blieb ungeklärt. Grabowski soll den Mord sogar gestanden haben. Er brachte eine angebliche Erpressung durch Anna ins Spiel, was die Mutter, als Abwälzung der Schuld, besonders empört haben soll. Ob Bachmeier dann mit Vorbedacht im Keller ihrer Kneipe schießen übte, ist umstritten. Fest scheint zu stehen, daß sie ihren Aufsehen erregenden »Akt von Selbstjustiz« mit Hilfe »unerlaubten Waffenbesitzes« nie bereute* und damals sogar in einem beträchtlichen Teil der sogenannten Öffentlichkeit Billigung oder jedenfalls Sympathie fand. So dürfte der medienwirksame Fall von zwei beliebten, nicht unbedingt gegensätzlichen Ideologien gezehrt haben. Auf der einen Seite muß »Selbstjustiz« unnachsichtig unterbunden und also verdammt werden; auf der anderen darf eine deutsche Mutter wie eine Löwin für ihr Kind beziehungsweise dessen Ehre kämpfen. Aber bitte nicht für irgendein hergelaufenes Negerlein. Oder gar noch gleich für 10.

* Irene Altenmüller, »Annas Tod und die Rache der Marianne Bachmeier«, NDR.de, Stand 6. März 2021: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Marianne-Bachmeier-Selbstjustiz-einer-Mutter,mariannebachmeier101.html
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