Sonntag, 26. Juni 2022
Helric Fredou
2022


In meinem umfangreichen Lexikon der Frühverstorbenen mußte ich ihn leider übergehen; er war zu alt. Fredou starb vor sieben Jahren mit 45. Warum? Einmal davon abgesehen, daß wir es nicht wissen, scheint es heute keinen mehr zu interessieren. Gehen Sie ins Internet; Sie werden fast ausschließlich Berichte aus dem Todesmonat finden. In Nachschlagewerken steht er sowieso nicht.

An den Ermittlungen zum berüchtigten Anschlag auf die Charlie-Hebdo-Redaktion in Paris beteiligt, griff der pausbäckige, bieder wirkende französische Polizeichef, laut Focus, »nur Stunden« nach dem »Terrorakt« zu seiner Dienstpistole, um sich selber umzubringen. Das begab sich am 8. Januar 2015 frühmorgens in seinem Büro in der Polizeidirektion von Limoges, von der er Vizechef war. Die Großstadt liegt in Mittelfrankreich. Fredou hatte am späten Abend Bereitschaftsdienst, Besprechungen mit Kollegen aus Paris und »wichtige« Telefongespräche gehabt oder vorgehabt. Er stand im Begriff, einen Bericht zu verfassen, wozu es dann nicht mehr kam. Für einen Selbstmord aus Liebeskummer, Melancholie oder aus dem Gefühl des Verkanntseins heraus hätte er sich wirklich keinen günstigeren Ort und Zeitpunkt aussuchen können. Schließlich war gerade das Auge der Welt auf Frankreich gerichtet. Nur auf ihn nicht.

Nach einem erfreulich ausführlichen Artikel* der Epoch Times wurde den Angehörigen Einblick in den Autopsiebericht verweigert. Man könnte es außerdem merkwürdig finden, daß der Schuß angeblich ungehört blieb, obwohl kein Schalldämpfer benutzt worden war. Laut Polizei schoß sich Fredou »frontal« in die Stirn, was bei Selbstmorden, der Verrenkungen wegen, ebenfalls als seltsam gilt. Kein Abschiedsbrief. Während Focus schrieb, der Vizepolizeichef sei alleinstehend, kinderlos und überarbeitet gewesen und habe an Depressionen gelitten, behauptet ET, Fredous Mutter habe vom Hausarzt ihres Sohnes keine Bestätigung für die Unterstellung bekommen, er sei »ausgebrannt« oder »depressiv« gewesen. Bemerkenswerterweise hatte sich im November 2013 schon ein örtlicher Kollege Fredous im Dienst umgebracht, der Kommissar Christophe Rivieccio. Warum, müßte man untersuchen. Der vierfache Familienvater soll erst 44 gewesen sein. Damals habe Fredou seiner Mutter im Gegenteil versichert: »So etwas würde ich dir nie antun.« Als Fredou jedoch tot war, beschlagnahmten Kollegen in seinem Hause Computer und Smartphone. Mit den wenigen Skeptikern darf man also getrost argwöhnen, er sei wieder einmal einer gewesen, der zuviel oder das Falsche wußte.

Was den Pariser Anschlag angeht, hatten Fredous Leute in der Stadt Châteauroux die Eltern der Rechtsanwältin und UMP-Politikerin Jeannette Bougrab vernommen, von der noch umstritten ist, ob sie einmal Geliebte des ermordeten Charlie-Hebdo-Chefredakteurs war. Die Dame hatte es unter Sarkozy (bis 2012) zur Staatssekretärin gebracht. Soweit ich sehe, tun sowohl die Mainstream- wie die sogenannten alternativen Medien alles, um den Fall Fredou den Weg von 99,99 Prozent aller »Ereignisse« gehen zu lassen: ins Nichts.**

* »Charlie Hebdo Attentat – Beging der ermittelnde Kommissar wirklich Selbstmord?«, The Epoch Times (New York City), 30. Januar 2015: https://www.epochtimes.de/politik/ausland/charlie-hebdo-attentat-beging-der-ermittelnde-kommissar-wirklich-selbstmord-jetzt-reden-helric-fredous-mutter-und-schwester-a1217704.html
** Eine etwas jüngere Beleuchtung des Falles wage ich aus fremdsprachlichen Gründen nicht zu beurteilen und zu verwerten: Hicham Hamza, »Affaire Charlie: un franc-maçon proche de Bougrab succède au commissaire 'suicidé'«, Panamza, 16. November 2015: http://www.panamza.com/161115-charlie-fredou/. Soweit ich sehe, geht es in ihr vor allem um Fredous Nachfolger Thierry Miguel.

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