Sonntag, 26. Juni 2022
Lee Kyung-hwan

24 (1988–2012), südkoreanischer Berufsfußballer, seit 2011 gesperrt, da er mit rund 40 anderen Personen in einen fetten Wettskandal verwickelt war. Am 14. April 2012 sprang er in Incheon, einer Großstadt nahe Seoul, von oder aus einem vermutlich höheren Wohnhaus in den Tod. Damit war er bereits der vierte Freitodler aus der Schar der Beschuldigten, wie Dan Orlowitz berichtete.* Bis dahin hatten sich zwei Spieler und ein Trainer umge-bracht. Lee, gelernter Mittelfeldspieler, habe an der Unsicherheit seiner weiteren Lebensgestaltung gelitten, wenn auch schon erwogen, zur südkoreanischen Armee zu gehen. Da wäre er wahrscheinlich gar nicht so fehl am Platze gewesen.

Allerdings, die Zeiten ändern sich. Drohnen sind Trumpf, und sofern im Außendienst noch Soldaten benötigt werden, nimmt man Kampfroboter, die sind präziser und zuverlässiger. Heute laufen eher zuviele Leute auf diesem Planeten herum, wie man ja auch von Bill Gates hört. Heute träumen Personal- und Arbeitsamtschefs nicht von Niedrigstlöhnen und »Trainingsmaßnahmen«, sondern von Massenselbstmorden á la Jonestown. Die rund 1.000 Menschen umfassende, weitgehend isolierte Siedlung im Nordwesten Guayanas war von dem Sektenchef Jim Jones geschaffen worden, einem früheren Methodisten-Pfarrer aus den USA. Am 18. November 1978 kam es dort zu einer Art Showdown. Nachdem eine durchaus freundlich empfangene Delegation des US-Kongresses, die verschiedenen Vorwürfen nachgehen wollte, in der Tat auf einige Ungereimtheiten gestoßen war, wünschte Jones vermutlich einer Enttarnung zuvor zu kommen. Seine Gorillas verhinderten zunächst den Aufstieg des US-Flugzeuges, wobei es auch schon zu einigen Toten kam; dann ließ Jones seine AnhängerInnen zum Empfang eines Gifttrankes antreten, das Himmelreich sei nahe. Auf diese Weise wurde Jonestown, teils unter Androhung des Erschießens, nahezu entvölkert. Der Urwald war mit Leichen übersät. Auch Guru Jonson kam um; ob durch Selbstmord, ist ungeklärt.**

* »Former K-League player Lee Kyung-Hwan commits suicide after match-fixing involvement«, Goal.com, 16. April 2012: http://www.goal.com/en/news/3800/korea/2012/04/16/3039296/former-k-league-player-lee-kyung-hwan-commits-suicide-after
** Berthold Seewald, »Für den Massenselbstmord mussten sie Schlange stehen«, Welt, 17. November 2018: https://www.welt.de/geschichte/article183999416/Massenselbstmord-Fuer-den-Gift-Cocktail-mussten-sie-Schlange-stehen.html

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