Samstag, 25. Juni 2022
Kadić, Ena

26 (1989–2015), österreichische Modistin, 1,77 groß. Aus Jugoslawien stammend, hatte Kadić in Innsbruck, Tirol, eine Fachschule für Mode und Bekleidungstechnik besucht. 2013 gewann sie den jährlichen Miss Austria-Schönheitswettbewerb. Der anschließende schicke Rummel scheint ihr aber nicht behagt zu haben.* Sie entzog sich ihm und arbeitete als Verkäuferin in einem Innsbrucker Modegeschäft. Am 16. Oktober 2015 wurde sie am Innsbrucker Bergisel gesehen – und schwerverletzt unterhalb der Aussichtsplattform Drachenfelsen aufgefunden. Anscheinend war sie über rund 30 Meter in die Tiefe gestürzt. Drei Tage darauf starb sie. Auf ihrem Handy fanden die ErmittlerInnen auch eine Textnachricht an einen Verwandten, in der sie einen Selbstmord ankündigte. Wie so oft, wollte es die Familie zunächst nicht glauben und brachte beispielsweise einen »Guru« der Modistin ins Spiel, den sie sogar nach dem Absturz noch angerufen hatte, wohl ein reuiger Hilferuf. Später machte sich allerdings selbst der Anwalt der Familie die Feststellung der Innsbrucker Staatsanwaltschaft zu eigen, nach den Ermittlungen sei Mord auszuschließen, Selbstmord sehr wahrscheinlich.*

Kadićs Motive bleiben undurchsichtig. Die Sache mit dem »Guru« erinnert an den wenig älteren »Fall« des 20jährigen Topmodels Ruslana >Korschunowa, New York City, den ich später ausbereiten werde. Hier nun wußte Gala (4. Februar 2016), Kadić habe »jede freie Minute« mit diesem Mann verbracht, der sie auch wiederholt akupunktiert habe. Dagegen habe er ihr »nach einem Hundebiß mit tiefen Wunden« die vom Arzt verschrie-benen Antibiotika untersagt, woran sie sich auch gehalten habe. Man könnte natürlich argwöhnen, sie sei durch den Hundebiß in den Tod getrieben worden. Dadurch zöge man sich allerdings einmal mehr den Haß von ungefähr 70 Prozent der Menschheit zu.

Bekanntlich ist die Beurteilung der ausschlaggebenden »Todesursache« oft schwierig, zuweilen sogar müßig. Ich greife zu diesem Thema noch einmal das Hinscheiden Auguste Böhmers auf, siehe unter >Groß. Die 15jährige soll sich (1800) im Kurort Bad Bocklet die Ruhr geholt haben, also ein Bakterium, das meist für heftige Durchfälle, Fieber, Entkräftung bis hin zum Tod sorgt. Antibiotika standen noch nicht zur Verfügung. Also versuchte es »Naturphilosoph« Schelling, der neue Liebhaber von Augustes Mutter, mit Wein und Opium, was dem Konzept der »alternativen«, auch im nahen Bamberg gepflogenen medizinischen Schule des Brownianismus entsprach, für das sich Schelling erwärmt hatte. Die Dröhnung schlug fehl – oder eben die letzten Nägel in den Sargdeckel. Seitdem hat der Streit über Schellings Eingreifen und den Brownianismus allgemein schon viele Zeitungs- und Buchseiten gefüllt. Der Arzt Gerd Reuther läßt in seinem jüngsten Werk, einer aufschlußreichen kritischen Medi-zingeschichte**, kein gutes Haar an den Lehren John Browns, den er zu den »Scharlatanen« des 18. Jahrhun-derts zählt. Brown starb 1788 – möglicherweise just an Alkohol und Opium …

* Eva Kaiserseder, »Ena Kadic: Miss Austria beging vor einem Jahr Selbstmord«, Portal Web.de, 14. Oktober 2016: https://web.de/magazine/panorama/ena-kadic-miss-austria-beging-jahr-selbstmord-31958204
** Heilung Nebensache, München 2021, S. 72–75

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