Freitag, 24. Juni 2022
Bashkirtseff, Marie

25 (1858–84), Hundeliebhaberin, Malerin und Schrift-stellerin aus südrussischem Landadel, sucht Linderung in Frankreich, stirbt aber dort an Tuberkulose, von der sie seit Jahren geplagt worden ist. Ihr Tagebuch gilt als »Kultbuch«. Zu den Bewunderern der möglicherweise leicht prunk- und ruhmsüchtigen Dame* zählen vor allem Frauen, aber auch Schriftsteller wie der Londoner Zoologe und MS-Kranke >Barbellion. Ich kann ihr literarisches Werk nicht beurteilen, räume aber gerne ein: höre ich »Kultbuch«, sträuben sich mir automatisch die Haare wie einem Dachs, der statt eines Wachtelgeleges einen Sack mit Eierkohlen wittert. Als Malerin gelangen Bashkirtseff wahrscheinlich ein paar Treffer, etwa das in ihrem Todesjahr entstandene Ölgemälde Das Treffen.** Jedenfalls strahlt dieses Werk mehr Poesie aus als beispielsweise Degenhardts Roman über einen antifaschistischen Kinderclub Zündschnüre, siehe Heft 1. Im übrigen sollte man bei frühverstorbenen Künstlern grundsätzlich auf der Hut sein – eben, weil ihnen die Lebenskürze gern bedeutungssteigernd angerechnet wird. Mögen sie selbst Stümper sein: das in statistischer Hinsicht weggefallene Leben reißt ihr Stümpertum mit in den Abgrund. Für Glanz sorgt dann ihr Ruf – den zu schaffen sie selber leider nicht mehr die Zeit fanden.

* Mausoleum in Paris: https://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Bashkirtseff#/media/Datei:Bashkirtseff-grave.jpg
** https://de.wikipedia.org/wiki/Marie_Bashkirtseff#/media/Datei:Bashkirtseff_-_The_Meeting.jpg

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