Donnerstag, 23. Juni 2022
Bott mistet aus
Um 2000 (Auszug)


Lothar hatte die meisten Äcker noch pflügen können, bevor er sich den Arm brach. Das Pflügen hätte sich Bott auch nicht zugetraut. Jetzt spannte er die Walzen an die vordere und die Kreiselegge an die hintere Hydraulik des Fendts, verließ den Hof und fuhr auf einem gepflügten Acker, der zwischen dem Obstgarten des Gutes und dem Waldrand am Hang lag, immer rauf und runter. Während die Walzen die aufgeworfenen Schollen gleichsam zu bändigen hatten, sorgte die Kreiselegge für deren Zerkrümelung. Dadurch wurde der Acker fürs Aussäen des Wintergetreides vorbereitet. Allerdings gab es bereits Schlepper, die alles in einem Aufwasch erledigten. Lothar hatte ihm neuste Prospekte gezeigt. Sie verfügten am Heck über eine doppelte Hydraulik, sodaß der Kreiselegge gleich noch die Drillmaschine folgen konnte. Bott hatte Zülch beim Bier gefragt, wo das alles enden sollte. Bei Schleppern von der Größe eines Gutshauses?

»Nein«, hatte Zülch entgegnet. »Bei Äckern, die sich im Jahreslauf um eine fest installierte Superbearbeitungs-maschine drehen.«

Jetzt war Bott jedoch ehrlich genug, um sich sein Wohl-behagen einzugestehen. Die fettigen, braunen Lehm-schollen funkelten in der Sonne. Die Luft roch nach geräucherten Schinkenhöckern, Pilzen, Walnüssen. Der 150-PS-Dieselmotor des Fendt-Schleppers schnurrte wie ein Luchs. Der Schlepper war auch hervorragend gefedert. Man konnte sich einbilden, über Besse ins Kasseler Becken zu entschweben – sozusagen in den Mutterschoß.

→ Zur Mammutisierung siehe auch Heft 5 Marx (Vertretung), Heft 6 Gutscheine, Heft 8 u.a. Anarchismus → Zu Kleinheit/Kindheit als Makel: Heft 6 Tauschland.
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