Mittwoch, 22. Juni 2022
Jánošík, Juraj

25 (1688–1713), slowakischer Robin Hood. Wie jeder mitteleuropäische Landstrich, der Höheres als ein paar Maulwurfshügel aufzuweisen hat, »Schweiz« heißt, beispielsweise Holsteinische oder Märkische Schweiz, hat auch jede Gegend ihren »Robin Hood« – also einen guten Räuber oder Staatsfeind, der beim »Kleinen Mann« einige Sympathien genießt. Ich glaube, allein unter B habe ich bereits drei von ihnen angeführt, Balzar, Breitwieser, Bückler, und weitere werden folgen, etwa >Matter. Gewiß sind sie alle mehr oder weniger kräftig zum Mythos aufgeblasen, und entsprechend wuchtig zeigen sich die Denkmäler, die sie früher oder später bekommen.* Da könnte sogar Walter Scott neidisch werden, gestorben 1832, ein schottischer Advokat und »romantischer« Schreiberling, der nur insofern Räuber war, als er in allen schlechten Büchern, deren er habhaft wurde, gewildert hat. Er steht vor dem Glasgower Bahnhof auf einer turmhohen Säule, die der Künstler allerdings sehr fein »kanneliert« hat. Insofern muß man natürlich einräumen: wo wäre die Zunft der Bildhauer und Architekten ohne die Aufträge für große Denkmäler geblieben? Im Dreck.

Jánošík, Sohn eines armen Leibeigenen, soll zunächst Schafhirt gewesen sein, bevor er sich Aufständischen gegen die habsburgische Herrschaft in Ungarn anschloß und schließlich Chef einer Waldräuberbande im gebirgigen Nordwesten der Slowakei wurde. Man hielt sich vorwiegend an gut betuchte Kaufleute und verteilte ein Teil der Beute an Arme. Mordtaten pflegte man wahrscheinlich weitgehend oder völlig zu vermeiden. Leider wurde der Räuberhauptmann aber bereits mit 25 gefaßt und selbstverständlich hingerichtet, wohl in Liptovský Mikuláš, das schon damals eine Art Kreisstadt war.

Man könnte argwöhnen, ich sei ein Militanter – oder ich sei ein Pazifist. Beides wäre falsch geraten. Eine Welt ohne Gewaltanwendung, in welcher Form auch immer, ist nahezu unvorstellbar. Es kommt nur darauf an, daß die Gewalthoheit beim freien Bürger beziehungsweise seiner freien Republik bleibt. Er ist also seinem Gewissen und seinen Genossen Rechenschaft schuldig. In meinen Zwergrepubliken Mollowina und Pingos, beide auf dem Balkan angesiedelt, sind alle RepublikanerInnen bewaffnet, setzen ihre Flinten und Messer freilich ausge-sprochen selten ein. Sie behandeln und lösen ihre Kon-flikte jeweils unter Beteiligung der RepublikanerInnen, die davon betroffen sind, ohne irgendwelchen »Sicherheits-kräften« oder »höheren Instanzen« Einmischung zu gestatten. Da sie keinen Staat haben, haben sie auch kein »Gewaltmonopol des Staates«. Dazu der folgende Aufsatz.

* https://de.wikipedia.org/wiki/Juraj_J%C3%A1no%C5%A1%C3%Adk#/media/Datei:Statue_of_Juraj_J%C3%A1no%C5%A1%C3%Adk_in_Terchov%C3%A1_-_2010.jpg
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