Sonntag, 19. Juni 2022
Laughlin, Billy

16 (1932–48), US-Schauspieler, Schüler, vielleicht auch Zeitungsjunge. Der kalifornische Bub hatte zwar schon mit acht Jahren (1940) beim Film debütiert und in etlichen erfolgreichen Kurzfilmen um Die kleinen Strolche sowie, neben Robert Mitchum und Simone Simon, in Joe Mays Kassenfüller Johnny Doesn't Live Here Any More mitge-wirkt, aber dann, 1944, hielten ihn seine »vernünftigen« Eltern dazu an, erst einmal die Schule zu beenden. In der Tat soll »Froggy« Laughlin (dicke Brille, schrille Stimme) das Schülerleben diesseits des Rampenlichts durchaus genossen haben – bis zum 31. August 1948.

An diesem Tag, wohl gegen Abend, war der 16jährige mit einem gleichaltrigen Freund in La Puente (bei LA) per Cushman Motor Scooter unterwegs. Nach zeitgenös-sischen Presseberichten unternahm der heute witzig wirkende Motorroller auf dem »Valley boulevard« eine Art jähe Kehrtwende, worauf ihn ein entgegen kommender Lastwagen umfuhr, der angeblich nicht mehr ausweichen konnte. »Froggy« (von Frosch) hatte auf dem Rücksitz des Rollers gehockt. Er starb kurz darauf im Krankenhaus. Freund W., der Fahrer des Rollers, kam mit leichten Verletzungen davon. Der 25 Jahre alte Lkw-Fahrer blieb unbelangt. Laut Sterbeurkunde sollen die beiden Teenager nicht oder nicht nur zum Vergnügen, vielmehr »while at work« unterwegs gewesen sein – möglicherweise zwecks Zeitungszustellens. Zur Stützung dieser Annahme dient, soweit ich sehe, die eher freie Behandlung jenes amtlichen Eintrags.* Jedenfalls standen die Freunde am nächsten Tag selber in den Zeitungen. Deren Berichte (siehe eingangs der verlinkten Diskussion) scheinen allerdings die verbreitete Geschichte mit dem Arbeitsunfall nicht unbedingt abzudecken. Durch diese Geschichte wird der ganze Vorfall jedoch interessanter, weshalb sie auch in Wikipedia (deutsch und englisch) zu lesen ist. Mehr noch, steigert sie unser Mitgefühl für die unglücklichen Jungen – wie im Kino.

Eine zweite Fragwürdigkeit stellen selbstverständlich Froggys »vernünftige«, auf Schulbesuch pochende Eltern dar. Für meinesgleichen sind Schulen schon immer Orte des Schreckens gewesen. Darüber sehen neuerdings viele Liberale und Linke gern hinweg, wenn sie die Schulschließungen im Zeichen der Göttin Corona beklagen. Schulen verdanken sich in Demokratien wie Diktaturen gleichermaßen der Anmaßung des Staates, seine BürgerInnen auch durch die von ihm verordnete sogenannte Allgemeinbildung zu normieren. Er maßt sich an zu wissen, was »man« wissen muß. In seinem Verständnis natürlich alles, was der Aufrechterhaltung seiner gut geschmierten Megamaschine nützt, die wiederum seiner Elite dient. In Wahrheit gibt es unter den Menschen – solange sie noch nicht erfolgreich angepaßt worden sind – eine derart große Vielfalt an Naturellen, Bedürfnissen und Lebensformen, daß sie alle ihrer eigenen, darauf zugeschnittenen Bildung oder auch Schwänzerei bedürften. Aber man läßt sie nicht. Schul-pflicht, Meldepflicht, Steuerpflicht, Versicherungspflicht, Sommerzeitpflicht, Wehrpflicht, Impfpflicht – Sie können darauf wetten: sobald die Enthaltungsrate bei den Wahlen unerwartet steil ansteigt, wird auch die Wahlpflicht eingeführt. Schließlich müssen sich die Pensions-berechtigten im Bundestag irgendwie legitimieren.

Sind Sie Lehrer, werden Sie vermutlich einwenden, wenn jeder gerade unterrichten oder lernen dürfte, was und wie er wollte, bräche doch das Chaos aus. »Sollen die Behördenformulare von Analphabeten ausgefüllt werden? Die Fabriken von Leuten in Gang gehalten werden, die nicht bis drei zählen können?«

Ach du meine Güte! Nein, die Behördenformulare, die Fabriken und die Staaten müssen weg. Der Mensch der Zukunft lernt in selbstorganisierten Basisgruppen. Dazu weiter unten Eindrücke aus Konräteslust.

* »The Death of Froggy«, Diskussion auf The Little Rascals im Sommer 2013, bes. 6. Aug. 2:14am: http://littlerascals.proboards.com/thread/1259
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