Freitag, 7. Dezember 2018
Volker Baehr
Wenig früher zeichnete sich die Gegend um Stuttgart durch peinliche Folgen unblutiger kaufmännischer und psychologischer Kriegsführung aus. Stabsquartier war die bis dahin wenig bekannte Kreisstadt Ditzingen. Im Herbst 1980 geriet zunächst der dortige Oberbürgermeister Alois Lang (CDU) ins Stolpern, waren doch „Grundstücksge-schäfte“ ruchbar geworden, die Lang „am Gemeinderat vorbei“ gemacht hatte.* Er trat zurück. Ein Jahr darauf, am Montag den 7. September 1981, steuerte sein gewählter, designierter Amtsnachfolger Volker Baehr, ein 37 Jahre alter Volkswirt, Städteplaner & SPD-Politiker, im Morgengrauen und in verzweifelter Verfassung die bei Widdern gelegene, bis 80 Meter hohe Jagsttalbrücke der A 81 an. Baehrs Amtseinsetzung stand erst bevor, weil sie durch den verwaltungsrechtlichen Einspruch zweier weit abgeschlagener Mitbewerber über Monate hinweg sabotiert worden war. Für Lokalredakteur Rainer Schauz** waren Baehrs angebliche „Depressionen“, so die Polizei, just dem Sumpf der örtlichen Korruption und der entsprechenden Intrigen gegen seine durchaus lauteren Absichten entsprungen, denselben trocken zu legen. Aber der „feinsinnige“, gern Schach spielende neue Oberbürger-meister sei wohl nicht „abgebrüht“ genug gewesen, um beispielsweise auch noch die Schläge einzustecken, die ihn auf der für diesen Montag anberaumten Sitzung über die Neuordnung des Baudezernates erwarteten. Die halbe Nacht durch soll er mit seiner Ehefrau gesprochen haben, einer berufstätigen Lehrerin. Sie meldete ihn noch am selben Tag als vermißt. Wie sich zeigte, hatte sich ihr gebeutelter Gatte – Aussagen von nahen Autobahnbau-arbeitern zufolge – „entschlossen“ von der erwähnten Brücke in die Tiefe gestürzt.

* Franziska Kleiner: „Ungeschönter Blick in die Ditzinger Geschichte“, Stuttgarter Zeitung, 23. Juni 2016
** „Volker Baehrs Brückensturz war tiefe Resignation“, Stuttgarter Nachrichten, 11. September 1981

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