Sonntag, 23. September 2018
Myrtek Stanowitsch
Der Pole war Elektriker, Kriegsgefangener des deutschen Faschismus und als solcher „Fremdarbeiter“ im Saarland. Im April 1943, um 23 Jahre alt, wirft er sich wegen Drohungen des Nazi-Ortsgruppenleiters, er werde gemeldet und folglich erschossen, bei Metz vor einen Zug. Sein Vergehen: „Rassenschande“. Stanowitsch hat nämlich die Aline Söther geschwängert, eine Landwirtschafts-helferin und Tochter eines einheimischen, wenn auch kommunistischen Bergmanns, die ihn liebt. Bald nach dem Unglück und der Geburt ihrer Tochter Rita (die zu den Großeltern kommt) wird Söther nach Ravensbrück verschleppt, wo sie 1945 mit erst 21 Jahren umkommt, angeblich durch Typhus. In Wahrheit wurde sie offenbar, kurz vor der Befreiung des KZs, von SS-Schergen erschossen.* Über ihren Geliebten Stanowitsch scheint die Nachwelt so gut wie nichts zu wissen. Daneben ergeben sich meines Erachtens wieder interessante Fragen für den Ethikunterricht: Ließ Stanowitsch Söther, durch seinen Selbstmord, im Stich? Hatten die beiden einen Paar-Selbstmord erwogen, da ja auf Söthers „Vergehen“ bekanntermaßen KZ stand? Hätten Sie ihn verübt?

* Webseite Beckingen
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