Donnerstag, 20. September 2018
Dieter Binninger
Geschrieben 2014


Man geht wohl kaum fehl, den Berliner Erfinder (1938–91) zu den zahlreichen Opfern der bekannten Wendung=Um-krempelung der DDR zu zählen. Er starb mit ungefähr 53 beim Absturz seines Privatflugzeuges. Der gelernte Uhrmacher und Elektroingenieur hatte zunächst mit auf der Mengenlehre fußenden Lichtzeichen-Uhren auf sich aufmerksam gemacht. Ein größeres Exemplar von diesen, die sogenannte „Berlin-Uhr“, steht noch heute vor dem Europa-Center in der Budapester Straße. Dann tüftelte Binninger in seiner winzigen Fabrik in Berlin-Wedding an einer haltbaren Glühlampe, weil die herkömmlichen Birnen, die er in seinen Uhren verwendete, wie üblich viel zu schnell kaputtgingen. Bekanntlich ist ja die Menschheit im ganzen schon seit knapp 100 Jahren Opfer eines kapitalistischen Glühlampen-Kartells, das sich auf eine Begrenzung der Haltbarkeit von 1.000 Stunden geeinigt hatte. Binninger jedoch erfand eine „Ewigkeitsglühlampe“, die (angeblich und möglicherweise um den Preis anderer Nachteile) fette 150.000 Stunden halten wollte oder sollte, das entspräche einer pausenlosen Brenndauer von 17 Jahren. Zufällig fiel sein Plan, sie auch selbst herzustellen, mit der schon erwähnten „Wende“ zusammen. Am 27. Februar 1991, „einen Tag vor Auslauf der Angebotsfrist“, so Helmut Höge*, gab Binninger gemeinsam mit der Berliner Commerzbank ein Kaufangebot für eine Teilfabrik des Ex-DDR-Leuchtstoff-Kombinats Narva bei der berüchtigten Treuhand ab.

Am 5. März von Berlin nach Döhren (nördlich von Helmstedt) unterwegs, wo er ein Ferienhaus hat, stürzt Binningers einmotorige Tobago B10 kurz vor dem Ziel ab. Angeblich fällt sie bei Döhren genau in den ehemaligen „Todesstreifen“. Neben dem designierten Industriellen kommen auch dessen Sohn Boris und der Pilot Lothar Scholz in den Flammen ums Leben. Die unterschied-lichsten Quellen nennen diesen „Unfall“ durchweg „ungeklärt“ oder „mysteriös“, aber nicht eine von ihnen schildert Einzelheiten. Es muß ja eine, wie fragwürdig auch immer durchgeführte amtliche Untersuchung gegeben haben. Augenzeugen waren anscheinend nicht vorhanden. Immerhin führen einige Quellen das nächste bedeutsame Datum an: den 1. April. An diesem Tag, knapp vier Wochen nach dem Absturz bei Döhren, wird in Düsseldorf der damalige Treuhand-Chef Detlef Rohwedder erschossen, siehe weiter oben. Auch dieser Todesfall, offiziell der RAF in die Schuhe geschoben, ist ungeklärt. Rohwedder hatte sich gegen die brutale „Abwicklung“ der DDR-Fabriken stark gemacht, dabei ausdrücklich auch der Ostberliner Narva, die verständlicherweise vor allem Siemens/Osram ein Dorn in der eigenen Glühbirne war. Nun aber wurde das Kombinat zügig weiter zerlegt oder zweckentfremdet, soweit nicht gleich stillgelegt, und dadurch plattgemacht, wie die ganze DDR.

* 31. August 2012
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