Freitag, 6. Juli 2012
Marode DDR stürzt ins Celler Loch
Zu den gebetsmühlenartig wiederholten Verleumdungen seitens der westlichen Elite und ihrer schwanzwedelnden Medienknechte zählt die Rede von der enormen Staats-verschuldung der DDR, die mit zu ihrem Untergang geführt habe. In Wahrheit war diese Verschuldung ver-gleichsweise glimpflich, wie der ehemalige SED-Funktio-när Klaus Blessing 2008 in einem Zeitungsartikel* darlegt hat. Nach unterschiedlichen Schätzungen dürfte sie 1989 kaum über, eher unter 50 Milliarden DM gelegen haben. Umgerechnet in Pro-Kopf-Verschuldung, hält Ökonom Blessing eine Zahl von maximal 4.000 DM für realistisch. In der BRD dagegen stand die Pro-Kopf-Verschuldung damals bereits auf knapp 15.000 DM – auf mindestens dem Dreifachen. Die VerleumderInnen bedienen sich also einmal mehr der beliebten Methode, Haltet den Dieb! zu schreien, während sie mit der Linken über die Straße zeigen und uns mit der Rechten die Geldbörse aus der Arschtasche ziehen.

Im November 2009 schickt sich die gesamtdeutsche Pro-Kopf-Verschuldung an, die Grenze von 20.000 Euro zu überschreiten. Die absolute Zahl unsrer Staatsverschul-dung liegt wahrscheinlich schon über 1,5 Billionen Euro. Da drängt sich die Frage auf, wo die ungefähr 3,5 Billionen geblieben sind, die laut Blessing im ganzen, zwischen 1949 und 2000, durch westliche, kräftig übervorteilende Hände aus der (ehemaligen) DDR gemolken worden sind.** Und man fragt sich zudem, wie über den Klacks von maximal 25 Milliarden Euro Staatsverschuldung gezetert werden kann, während Frau Merkel und Herr Koch den notlei-denden Banken oder Autofabrikanten Rettungspakete von 80 bis 500 Milliarden Euro Schwere in den Rachen werfen.

Die 500 Milliarden befanden sich im jüngsten Oktober-paket zur Rettung unserer Banken (2008). Es war die höchste Summe, über die je von einem deutschen Parlament entschieden worden ist. Stand das Land also Kopf? Nein, es hustete uns etwas. Und unseren ehren-werten Abgeordneten genügten wenige Tage, um sich das kombinierte Gesetzes/Rettungs-Paket von der Regierung um die Ohren hauen zu lassen. Auf monatelange Ver-handlungen in Ausschüssen, Herbeiziehung von Fach-leuten, Lektüre des Textes und Zeitungsinterviews über ihre Gewissensnöte verzichteten sie, weil sie genug damit zu tun haben, ihre sogenannten Nebeneinkünfte als Agenten verschiedener kapitalistischer Unternehmen zu verschleiern, unter denen sich zufällig, neben Ver-sicherungs-, Pharma- und Autokonzernen, auch die geretteten Banken befinden.

Kurz und schlecht, jene 3,5 Billionen dürften zum Löwen-anteil in den Taschen unserer wagemutigen Stützen der Volkswirtschaft, zum geringeren Teil in den sie rettenden Paketen gelandet sein. Zur Krönung wurde der angebliche „Unrechtsstaat“ DDR um 1990 von einem Ungeheuer angefallen und bis aufs Blut ausgesaugt, das einträchtig an den Leinen unserer Bankiers und der bei ihnen einge-hakten Dame Birgit Breuel ging, der ersten Leiterin der berüchtigten Treuhandanstalt. Breuels vergleichsweise milde gestimmter Vorgänger Detlev Rohwedder war unter nachdenklich stimmenden Umständen ermordet worden, siehe Artikel 157. Zweck der großangelegten Privatisie-rungsübung war vor allem, lästige Konkurrenz des westlichen Kapitals auszuschalten. Im Nebeneffekt konnte man sich das eine oder andere Sahnehäubchen für einen Apfel und ein Ei unter den Nagel reißen und/oder enorme Subventionen einstreichen. Wenn irgendjemand die DDR-Wirtschaft „marode“ machte, dann Breuels „Treuhand-anstalt“. Einzelheiten finden Interessierte inzwischen in etlichen spannenden Büchern, etwa: Klaus Huhn, Raubzug Ost, 2009; Hans Fricke, Eine feine Gesellschaft, 2010; Dirk Laabs, Der deutsche Goldrausch, 2012.

* „War die DDR pleite?“, Junge Welt 15. September 2008
** aufgefächert: „durch einseitige Reparationsleistungen, millionenfache Abwerbung und Abwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte, diskriminierende Handels- und Währungspraktiken und letztlich Raub des von der DDR-Bevölkerung unter schwierigsten Bedingungen erarbeiteten Volkseigentums sowie wesentlicher Teile der persönlichen Ersparnisse“




Siehe auch
Einträgliche Kali-„Wende“ in Merkers/Thüringen
Osram-Konkurrent Dieter Binninger, unter >Voos, Joachim
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