Dienstag, 3. Juli 2012
Ankommen
Das Wendewort. Wenn man so will, sollte zwar auch schon Reservationsschüler Wakiya genannt Byron Bighorn end-lich im Englisch der „Geister“ (der Weißen) ankommen, doch DDR-Autorin Welskopf-Henrich wollte – im Jahr 1967 – nicht. Auch in meinem westdeutschen Duden von 1983 ist das Wort in der besagten metaphorischen Bedeu-tung nicht zu finden.

Was wir im christlichen Abendland bis dahin kannten, war vielleicht die Ankunft des Heilands. Von den Marxisten getreulich ins Soziologische übertragen, sorgte die Lehre von der Ankunft selbst in der DDR für Tröstung, während das Volk über den Tisch gezogen wurde. Denn im Zeichen des christlich-marxistischen Fortschrittsdenkens läßt sich jeder Blaue Fleck und jede Schweinerei rechtfertigen, weil es ja immer nur besser werden kann. Die Geschichte marschiert unbeirrt auf unser Heil los – und nicht etwa heillos. Da war die „Wiedervereinigung“ schon fast das Paradies.

Solange Merkel, Pau und Wagenknecht in der BRD ankommen; USPD, Grüne, PDS in der Mitte; der „Auf-schwung“ unter den Schädeldecken der armen Schlucker; die Kinder in der Erwachsenenwelt und die Querulanten in der Vernunft, ist die Welt in Ordnung. Ankommen schließt immer Fluchten oder Revolten ab. Die Ausreißer sind wieder da. Der Angekommene ist erfolgreich angepaßt worden. Jetzt kommt er beim Publikum gut an.



Siehe auch
Kapitel Opportunismus
Im Beitrag über Willensfreiheit ca. in der Mitte (Dopamin-Neuronen)
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