Sonntag, 24. Juni 2012
Lucy
Kommunarde Dieter hatte von Kind auf Angst vor Hunden und verbat sich jeden Hund auf dem Hof. Immer wieder biß die Hundelobby der Kommune bei ihm auf Granit. Als sich jedoch seine 15jährige Tochter in Hündin Lucy verliebte und unbedingt mit dieser zusammenleben wollte, wurde er binnen weniger Tage ein anderer. Lucy be-herrscht Dieters Wohngemeinschaft und läuft frei in Trep-penhaus und Hof umher. Ißt die Kommune im Hof, streicht Lucy ungerührt und unbehelligt um die Beine der Tische oder meine. Dies alles wäre vorher undenkbar gewesen. Eine öffentliche Erklärung, etwa auf dem Plenum, gab es nicht.

In dieser Anekdote haben wir auf einen Schlag zwei weltweit beliebte und verbreitete Haltungen: Doppelmoral und Clandenken. Schon vorher war mir Dieters Neigung aufgestoßen, seinen Kindern jeden Wunsch von den Augen abzulesen, für die Interessen Dritter dagegen eher blind zu sein. Das Glück seiner Kinder ist der höchste aller Werte. Was ihnen gut tut, tut auch dem Selbstwertgefühl ihres Erzeugers und Ernährers Dieter gut. Nach einer bündigen Feststellung aus Alains Betrachtungen Über die Erziehung ist der Familiengeist zutiefst barbarisch. Er ist eben Clan-denken. Indem es Zufälle wie Geburt, Sympathie, Nation über das Menschenrecht stellt, geht das Clandenken weit über Vetternwirtschaft hinaus. Es betrifft vor allem die seelische Existenz. Liebe, Besitzerstolz, Leidenschaft entscheiden hier alles. Das Kind lernt das Buhlen um Gunst von der Pike auf. Wer gefällt, hat Erfolg. Wer meinen Clan mit Schmutz bewirft, bekommt die Pike ins Gesäß. Das gilt leider auch für Kommunen oder Basis-gruppen – und sei es, sie müßten sich zu diesem Zwecke erst einmal selber spalten. In diesen Fällen werden die Fraktionen zu neuen Clans.

Franz Schandl spricht hier vom kollektiven Wahn der An- und Zugehörigkeit, die stets Hörigkeit einschließe. Jeder Clan ist der beste Clan der Welt. Damit alle anderen Clane daran glauben, herrscht Krieg. Die gleiche Waffe ist in den Händen des eigenen Clans eine Ananas oder ein Schoß-hündchen, in den Händen des fremden dagegen eine Granate oder ein Kampfhund. Somit bilden Clandenken und Doppelmoral siamesische Zwillinge.



Zum Clandenken siehe auch
>Patriotismus
Völkisches
Kapital Entvolkung, gegen Ende des Beitrags
Kapitel NestbeschmutzerInnen, in der 1. Hälfte des Beitrags

Zur Doppelmoral siehe auch
>DDR >Lüge >Selbstbestimmungsrecht (von Völkern)
Kapitel Kreuzzüge, im Beitrag ungefähr Mitte
Kapitel Grüne Bananen, im Beitrag vorn
Doppelmoral-Quelle Eigennutz & Schutz
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