Freitag, 22. Juni 2012
Shot to nothing
Vorfassungen erschienen 1998 im Wochenblatt Die Zeit (Titel „Der Meister spielt allein“), 2009 in meinem Buch Der Große Stockraus und 2011 in Nr. 158 der Zeitschrift Die Brücke


Es handelt sich sozusagen um einen Stoß mit Netz. Meistens geht er über eine längere Strecke – die Diagonale eines Snookertisches mißt immerhin rund vier Meter. Beim Shot to nothing kann sich der Spieler eine gewisse Chance ausrechnen, die angepeilte Zielkugel mit Hilfe seines durch Lederkuppe wohlabgefederten, kerzengera-den Billardstockes und des weißen „Spielballs“ in einer Tasche zu versenken; für den Fall des Mißerfolges sorgt er jedoch dafür, daß die Weiße in einer (meistens entlegenen) Region des Tisches zur Ruhe kommt, wo der Gegner erst einmal kein Unheil anrichten kann. Denn nach jedem Fehlstoß – dazu zählen auch Fouls – wechselt die Auf-nahme: der Gegner ist am Zug.

Aber das Snookerspiel betört seine gläubigen, zuweilen auch süchtigen AnhängerInnen nicht nur durch die taktischen Spielräume, die es zu bieten hat. Kann es doch selbst bei vorhandenem Gegner von vorn bis hinten allein gespielt werden! In diesem Fall wechselt eben die er-wähnte Aufnahme nie, sieht man einmal von einem kurzen Auftaktgeplänkel ab, in dem keine Kugeln fielen. Nun locht (oder pottet) man Kugel um Kugel und verwandelt den Mitspieler durch die immer eindrucksvoller werdende Serie in einen Zuschauer, der freilich nichts zu lachen hat. Um solche Serien oder Breaks zu schießen, sind zentime-tergenaue Ablagen unumgänglich. Die Weiße soll dort zum Stillstand kommen, wo ich sie brauche, um die nächste Rote oder Farbige, je nach dem, in einer Tasche ver-schwinden zu lassen. In der Regel müssen Rote und Farbige abwechselnd versenkt werden. Versenkte Farbige kommen wieder auf den Tisch, wozu sie feste Lagepunkte haben. Sind alle Roten verbraucht, geht es auch den Farbigen an den Kragen. Der Tisch wird abgeräumt.

Gewisse Spitzenspieler setzen dabei ihren Ehrgeiz nicht nur ins Erreichen der höchstmöglichen Punktzahl von 147; sie wollen dieses Maximum Break auch noch möglichst schnell erzielen. In der Thüringenliga (dritthöchste Ebene des deutschen Amateursnookers) rechnen die Mann-schaften mit einer durchschnittlichen Spieldauer pro Frame von 30 Minuten. In Laienkreisen schleppen sich die jeweiligen Kontrahenten oft doppelt so lang über den Teppichboden und das gebügelte, grüne Tischtuch, weil einfach keine nennenswerten Serien zustande kommen. Da ist der Weltrekord für das zügigste vollständige Abräumen eines Snookertisches doch etwas anderes. Der Brite Ronnie O'Sullivan hält ihn mit 5:20 Minuten. In dieser Rekordzeit hat er 1997 in einem Turnier-Frame abwechselnd 15 Rote (15 Punkte) und 15 mal die wertvolle Schwarze (105) und abschließend die sechs Farbigen (27) versenkt – macht nach Adam Riese 147 Punkte. Der vierfache Profiwelt-meister (zuletzt 2012) kann bereits 11 Maximum Breaks vorweisen – das elfte schoß er Ende August 2011 auf bayerischem Boden: beim Paul Hunter Classic in Fürth.

Soweit ich sehe, gibt es kein anderes Spiel, bei dem dies möglich ist: trotz Vorhandenseins eines Gegners das Spiel ganz allein zu bestreiten. Es sei denn, man nennt das Schreiben ein Spiel. Hierbei sind zwar Legionen von Gegnern vorhanden, doch sie stehen nur im Lexikon.


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Mein jüngster Versuch, mir das Frührentnerdasein zu versüßen, erwies sich leider als Schuß in den Ofen. Mit einem Freund hatte ich der „Öffentlichkeit“ im Kreis Gotha per Presse, Rundfunk, Aushänge und Mundpropaganda mitgeteilt, nichts sei naheliegender und einfacher, als die Region endlich mit einem hübschen Snookerclub zu bestücken und zu beglücken, am besten in der riesigen Stadt Waltershausen, wo wir zufällig leben. Aber die Öffentlichkeit hustete uns etwas – niemand biß an.

Am Thüringer Wald kann der vernagelte Kulturzustand der hiesigen Bevölkerung nicht liegen, denn Ilmenau, auch nicht gerade eine Weltstadt, schmiegt sich ebenfalls an den nördlichen Rücken dieses bewaldeten Höhenzuges – und es hat einen Snookerclub. Dieser rührige Club verfügt sogar über vier Tische. Ein Snookertisch nimmt ungefähr den Platz eines leergefegten Frisiersalons ein und kostet, jedenfalls fabrikneu, 3.500 bis 5.000 Euro. Schon eine neue Bespannung (mit grünem Tuch) – die möglichst jährlich erfolgen sollte – macht den Club um 500 Euro ärmer. Die vier Tische in Ilmenau sind in gepflegtem Zustand, wie ich kurz vor den diesjährigen Profiwelt-meisterschaften (2011) mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Fingerkuppen ertasten konnte. Allerdings finden die Profiweltmeisterschaften nicht in Ilmenau statt. Ich hatte mich Ende März (per Eisenbahn) zum letzten Spieltag der Saison eingefunden, der die Entscheidung über den jüngsten thüringischen Mannschaftsmeister bringen würde. Wie sich herausstellte, war ich der einzige Zuschauer.

Das flache Vereinsheim liegt etwas unattraktiv im Osten von Ilmenau im Schatten etlicher Plattenbauten. An diesem Sonntag steht ein Pkw mit Erfurter Kennzeichen im Hof: aha – der Gegner! Während in den beiden Bun-desligen pro Mannschaft vier Leute antreten, beschränken sich die unteren Ligen auf drei Leute – die sogar in einen Trabi passen. Bei den Mannschaftswettbewerben spielt jeder gegen jeden, macht also in der Thüringenliga neun Durchgänge oder Partien pro Begegnung. Jede Partie wiederum geht höchstens über drei Frames, auch Best-of-Three genannt. Mit dem Stand 2:0 ist eine Partie also bereits gelaufen. Wie sich allerdings bei diesem Heimspiel zeigt, kommen die Recken aus Erfurt und Ilmenau, obwohl sie vorschriftsmäßig geschniegelt sind (kurze Lederhosen oder Baseballkappen sind verboten), selten über zwei oder drei Kugeln in Folge hinaus, sodaß man Sitzfleisch oder nicht zu enge Schuhe benötigt. Natürlich kennen und schätzen sich die Spieler. Beim gemeinsamen Mittagstisch, den die einzige Frau zubereitet hat, die im Vereinsheim zu erblicken ist, tauschen sie Neckereien und Anekdoten aus. Ich nutze die Chance, um mich ebenfalls etwas in Szene zu setzen, habe ich doch zufällig mein schmales Buch mit Kriminalerzählungen aus Thüringen Der Fund im Sofa dabei. Ich lobe es als Highest-Break-Preis aus.

Zweieinhalb Stunden später ist es für eine Serie von 38 Punkten an einen Erfurter Spieler gegangen. Das hört sich vielleicht kümmerlich an, aber auf Landesliganiveau sind Breaks über 50 ausgesprochen selten. Von einem Century-Break (mindestens 100 Punkte in Serie) können die thüringischen Sportler nur träumen. Den 6:3-Sieg fährt übrigens die Heimmannschaft Ilmenau ein, womit sie Thüringenmeister der Saison 2010/11 ist. Kenner der Szene werden Ilmenaus Freudentaumel freilich nicht überbewerten, hat doch der filigrane Snookersport in Thüringen neben Goethes Sommerfrische am Kickelhahn (860 Meter) nur noch drei weitere Clubs aufzubieten, nämlich in Erfurt, Suhl und Apolda. Der zuletzt genannte Name mag in bayerischen Ohren eher nach Kegelclub klingen.


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In unserem vergeblichen Aufruf wird beiläufig behauptet, Snooker sei eher eine Kunst und eine „Schule der Höflich-keit“ denn Sport. Beobachtet man den frischgebackenen Deutschen Meister 2010, Stefan Kasper, können einem Zweifel kommen.

Jedenfalls erweckten die Auftritte des stämmigen 20jährigen auf dem Parkett des Bad Wildunger Kurhauses, die ich (im Oktober 2010) über eine Videoschaltung der Webseite snookermania verfolgte, nicht den Verdacht, er habe bereits erfolgreich mehrere Tanzkurse absolviert. Vielleicht lag es aber auch nur am Kontrast. Kaspers Finalgegner in dem nordhessischen Städtchen unweit des Edersees war Sascha Lippe, der den Titel zuletzt 2007 erringen konnte. Der 27jährige hochgewachsene und schlanke Rotschopf tritt stets zurückhaltend, gleichwohl elegant auf. Doch im Wildunger Finale hat er sich etliche Schnitzer geleistet. Will man nicht die vielbemühte „Tagesform“ heranziehen, hat ihn vielleicht – um es höflich auszudrücken – die Unbekümmertheit seines jungen und noch kaum mit Lorbeer bekränzten Heraus-forderers aus der Fassung gebracht. So siegte Kasper nicht unverdient 4:1.

Damit will ich selbstverständlich nicht der Professionali-sierung und Kommerzialisierung des Snookersports das Wort geredet haben – sie ist ohnehin nicht mehr zu stoppen. Lippe handelt sich auf seiner Webseite als den „erfolgreichsten deutschen Snookerspieler“ und gibt seinen Beruf, obwohl offiziell noch Amateur, folgerichtig als „Snookerspieler“ an. Vor einigen Jahren wechselte der Mainzer zum Erstbundesligisten SC Berlin – wohl kaum für einen Apfel und ein Ei oder für einen „Berliner Ballen“. Zwar dürfen Profis (der sogenannten maintour) nicht am Ligabetrieb der Deutschen Billiard Union (DBU) teilnehmen, doch umgekehrt hindert niemand die hitverdächtigen Amateure daran, sich diskret die eine oder andere Vergünstigung in die Taschen ihrer sauberen Weste stecken zu lassen. Leute wie Lippe träumen nicht mehr von Centurys (Lippes höchstes Break steht auf 133); sie verzehren sich nach dem großen Geld, das beispielsweise im britischen Snookermekka Sheffield scheffelbar ist.


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Die im Kreis um höchstens zwei Snookertische angeord-neten Ränge des Sheffielder Crucible-Theaters bieten rund 1.000 eingeschworenen Fans Platz, die für ihr Ticket pro Spieltag jeweils 60 bis 175 Pfund (im Finale), also beim derzeitigen Wechselkurs immerhin rund 75 bis 220 Euro auf den Tisch gelegt haben – auf den Tisch des Kassen-häuschens selbstverständlich. Das grüne Tuch der Snookertische wird in jeder Matchpause gebürstet und gebügelt. Schließlich sollen die Kugeln wie an der Schnur gezogen laufen, es sei denn, der Spieler wünscht seinem Stoß einen eleganten Bogen zu verleihen: er gibt dem Spielball Seiteneffet. Wie sich versteht, wird das sakrale „Ereignis“ von Fernsehkameras (BBC oder Eurosport) in alle Welt getragen, sogar nach Waltershausen. Allerdings pflege ich mich mit ein paar Video-Aufzeichnungen (der Fernsehfilme) zu begnügen, die mir das Internet bietet. Die zeitliche Verzögerung juckt mich nicht die Bohne. Lese ich in einer Biografie über den britischen Schriftsteller D. H. Lawrence, seine Bekannte Dorothy Brett habe es (um 1915) geliebt, in der Kneipe unversehens auf den Snooker-tisch zu springen, ihren Rock zu lüften und auszurufen: „Nur zu, Jungs, versenkt die Rote!“ – lese ich es jetzt. Es erfüllt mir den Augenblick, als wäre ich mit am Zug oder Stoß gewesen.

Der hochklassige Reißer zwischen Ding Junhui und Stuart Bingham aus dem Achtelfinale liegt bereits hinter mir. Der junge Chinese schlug den stämmigen Engländer denkbar knapp mit 13:12. Gleichwohl ist mein Eindruck vom Auf-treten der Stars nicht der beste. Gewiß verhalten sie sich in der Regel fair und höflich, aber sie wirken durchweg verbissen und kalt, dies auch dann, wenn sie einmal lächeln. Nette oder solidarische Gesten untereinander sind so gut wie nicht zu beobachten. Jeder denkt nur an den eigenen Sieg – nicht um jeden Preis, aber in diesem Fall um 250.000 Britische Pfund.

Diesen Batzen gibt es allein für den Finalsieg. Gelingt einem Spieler das höchste Break des Turniers, kassiert er um 10.000 Pfund unabhängig von seiner Plazierung. Wie sich versteht, bringen WM-Erfolge, und sei es „nur“ das Erreichen des Viertelfinales, noch zahlreiche weitere Rubel ins Rollen, vom sogenannten Weltruhm einmal abgesehen. Der Schotte Higgins, der sich trotz vieler Patzer erneut ins Halbfinale gemogelt hat, bekam neulich eine Sperre wegen eines mutmaßlichen Versuchs zum Wettbetrug – es ficht die Fans nicht an. Schließlich betrügen wir alle gern, wie zumindest Frisöre und SchriftstellerInnen wissen. Man bewundert die Kunst der Pointe, des Safes (Sicherheits-stöße, eingeschlossen Shot to nothing) und der Ausrede, also auch die Kunst, sich bei sogenannten Unregelmäßig-keiten, die vom Bilanzfälschen bis zur Vorbereitung eines Angriffskrieges gehen können, nicht erwischen zu lassen. Higgins war nichts nachzuweisen. Nun steht er im Finale. Während die Begegnungen in der deutschen ersten Amateur-Bundesliga über Best-of-Five gehen, ist das WM-Finale für Best-of-35 ausgeschrieben, was bedeutet, um jene rund 300.000 Euro reicher ist der Spieler, der zuerst über die Hälfte der Gesamtzahl kommt, also 18 Frames für sich entschieden hat. John Higgins gewinnt das Finale (gegen Judd Trump) mit 18:15.


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Lasse ich hier in der Regel bei „Spielern“ die „Innen“ weg, handelt es sich nicht um Betrug. Snooker ist nämlich trotz enorm wachsender Beliebtheit nach wie vor Männer-domäne. Das spiegelt sich leider auch im Wikipedia-Artikel über Snooker wieder (Stand März 2009), der weder Spielerinnen noch das Problem weiblicher Randexistenz im Snookergeschehen kennt. Yvonne Kampmann vom 1. SC Dortmund, amtierende westfälische Landesmeisterin in der Frauensparte, schätzt den Anteil der registrierten Spielerinnen im deutschen Snookergeschehen auf fünf Prozent. Frauen ziehen traditionell dem Gegen- das Miteinander vor, etwa beim Ballspielen oder Tanzen. Die Eleganz des Snookerspiels kann nicht darüber hinweg-täuschen, daß es den Typ des einsamen Killers bevorzugt. Schließlich ist dieses Spiel, wie oben schon festgestellt, geradezu darauf angelegt, den Gegner so wenig wie möglich ins Geschehen eingreifen zu lassen, ja ihn am besten zur völligen Untätigkeit zu verdammen. Man ist versucht, von Onanie oder Sodomie zu sprechen. Der Billardstock – Queue genannt – wird zum unfehlbar rasenden Dolch, mit dem der Champion das auf dem grünen Tuch liegende Schwein schlachtet. Auch im Amateursnooker stoßen Frauen so gut wie nie in Final-runden oder Bundesligamannschaften vor. Sie sind zwar überall zugelassen, doch in ihrer Not spielen sie meistens separate „Damen“-Turniere, an denen keine männlichen Spieler teilnehmen dürfen.

Wären wir im Tennis, könnten wir ihr Schattendasein mit körperlicher Schwäche erklären, doch beim Snooker sind Arme im Format von Oberschenkeln eher hinderlich. Da Klugheit keine Männerdomäne ist, bleibt zur Erklärung nur der erwähnte Killerinstinkt. Kampmann und ihre Kameradin Christiane Mommert von Astoria Walldorf betonen allerdings zwei andere Aspekte. Zum einen falle Frauen im allgemeinen bekanntlich räumliche Orientie-rung schwer – auf dem Billardtisch, wo es um zentimeter-genaue „Ablagen“ geht, ein echtes Manko. Zum anderen neigen sie dazu, allzu rasch die Flinte ins Korn zu werfen. Das vertreibt sie unweigerlich aus jedem Snookersalon, denn das Spiel ist zu kompliziert, um rasche Erfolgs-erlebnisse bieten zu können. Mit Liebe ist hier wenig auszurichten – und zu Glaube und Hoffnung haben sich erbittertes Training und eiserne Disziplin zu gesellen. Die entsprechenden Bedingungen werden Frauen oder gar Mädchen im deutschen Snookergeschehen noch zu wenig geboten, beklagen Kampmann und Mommert. Die Britin Reanne Evans, damals 23, legte 2008 Breaks von 82, 109 und (gegen Suzi Opacic) sogar 140 vor.*

Aber vielleicht ist die Erotik des Snookerspiels letztlich doch zu einseitig gepolt. Seine „Männlichkeit“ läßt sich ja kaum übersehen. Ein Stab buhlt um die Gunst entzük-kender Kugeln. Die Lederkuppe küßt die Kugel; der Stock stößt sie ins Loch. Daß sie zumeist rot gefärbt ist, dürfte kaum Zufall sein. Siehe die oben erwähnte Dorothy Brett.

Nachtrag. Täusche ich mich nicht, sieht Steve Davis, sechsmaliger Profi-Weltmeister und inzwischen Star-Kommentator in der Branche, die Sache (laut Caroline Rigbys BBC-Artikel vom 2. Mai 2014) sehr ähnlich wie ich. Um in die höheren Etagen des Snookergeschehens vorzudringen, ermangele es dem Weibe an einer typisch männlichen Besessenheit und Verbissenheit, die sich noch die stumpfsinnigste „Konzentration“ verordne, um auf einem bestimmten, in diesem Fall völlig abwegigen Terrain den Blumentopf zu gewinnen. Der hagere, einst rothaarige britische Fuchs, Jahrgang 1957, scheut hier selbst das Wort „idiotisch“ nicht. Nur das Ziehen verschiedener Parallelen erläßt er sich – sofern es nicht Rigby war. Die oben bereits erwähnte Top-Spielerin Reanne Evans widerspricht Davis nicht, dämpft freilich ab. Typisch weiblich.

* Anfang 2018 erzielt die 18jährige Thailänderin Nutcharat Wongharuthai im Training eine sehenswerte 109.


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Ich fürchte, ich werde für den ganzen Rest meines Lebens darben müssen. Selbst wenn es in meiner Gegend einen Snookersalon gäbe, überstiege die Tischmiete von vier bis sechs Euro pro Stunde meine Rente, die auf Höhe Hartz IV steht. Überlegen Sie sich einmal: das sind 364 Euro monatlich (außerhalb der Miete und der Krankenversiche-rung). Der Mensch braucht ja nicht nur Brot und Tee, Wasser und Strom. In diesem Sommer habe ich mir bereits zwei „Platte“ gefahren, weil die Mäntel meiner Fahrrad-reifen zu mürbe sind. Zwei neue würden mich mindestens 30 Euro kosten. Auch der Winter winkt bereits: will ich in meinem Ofen morgens noch etwas Glut vorfinden, muß ich abends zwei Briketts hineinwerfen = 30 Cent. Zwar heize ich ansonsten mit Holz, das ich mir bislang stets kostenlos besorgen konnte, doch ich muß es zerkleinern. Ein neues Blatt für meine Handsäge kostet mich im Baumarkt 2 Euro 50, das wären früher fünf Mark gewesen.

Gregor meint, wenn ich meine Sinnenfreude hinreichend im Brennholzsägen fände, könnte ich mir den kostspie-ligen Snookersport getrost verkneifen. Er schlägt meinem Freund und mir vor: „Spielt doch einfach Boule!“ Dazu bedürfe es keiner mit erlesenem Tuch bespannten und mitunter sogar beheizten Tische und keiner sogenannten Salons. In der Tat, ein halbwegs ebener Garten- oder Parkweg genügt vollauf. Bei diesem vor allem unter mediteranen Rentnern oder Erwerbslosen beliebten Spiel kommt es darauf an, die eigenen Kugeln möglichst nahe an einer anfangs ausgeworfenen kleinen Zielkugel zu plazie-ren. Dabei dürfen gegnerische Kugeln (indem man sie trifft oder streift) ausgebootet werden. Sämtliche Kugeln wer-den von derselben Startlinie aus mit der Hand geworfen. Somit erübrigen sich auch kostspielige Queues, Rackets, Hockeyschläger, Fußballstiefel.

Was macht es schon, daß Boule nicht ganz so filigran wie Snooker ist! Da die Wurfkugeln aus Stahl sind, haben Linksradikale beim Erwerb eines Sets aus Zielkugel und drei Wurfkugeln (20 bis 40 Euro) eine Genehmigung des Bundeskriminalamtes vorzulegen.



Siehe auch
Snooker in Zamir, zum Profisport besonders Kapitel 4
Snooker alttestamentarisch: Doktor Dachs, Kapitel IV, Abschnitt 2 am Ende
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