Mittwoch, 20. Juni 2012
Im spitzen Winkel zur Welt
Erstveröffentlichung 2009 in Nr. 151 der Zeitschrift Die Brücke


Als ich Mitte der 90er Jahre auf die von Friedrich Georg Jünger und Max Himmelheber gegründete Jahresschrift Scheidewege stieß und darin beeindruckt einen klugen und scharfzüngigen Essay las, der mich ein wenig an Thoreau erinnerte, sagte mir der Name des Autors gar nichts: Erwin Chargaff. Immerhin lag ich nicht völlig schief, denn laut Autorenverzeichnis lebte und lehrte der 1905 in Czerno-witz geborene Biochemiker seit 1935 in den USA. Mit dem Ende seiner Professur an der renommierten New Yorker Columbia Universität im Jahr 1974 warf er sich eben auf die erwähnte Prosa. Seine Attacken galten insbesondere dem profit- und ruhmessüchtigen Naturwissenschafts-betrieb, dem er entronnen war; im allgemeinen dem Tanz ums Goldene Kalb Fortschritt, dem wir ja auch zwei verheerende Weltkriege und – Raten merkt man nicht so – einige Hundert Kriegchen in der Folgezeit verdanken. In seinem Buch Kritik der Zukunft von 1983 war Chargaff bereits angeekelt genug, um seinen „Austritt aus der Menschheit“ zu beantragen. Wie zum Hohn, lebte er noch ewig weiter – er starb 2002 mit 96 Jahren. Da er auch weiter schrieb und in seiner Bissigkeit kaum nachließ, könnte man ihm mit einem anderen Motto aus jenem Buch bescheinigen, er habe bis zuletzt „im spitzen Winkel zur Welt“ gelebt.

Nachdem ich weitere Scheidewege-Essays von ihm genossen hatte, wuchs Chargaff noch in meiner Wert-schätzung durch zwei Signale, die er außerhalb der Jahres-schrift setzte. Ich hatte mich getraut, dem berühmten Mann im November 1998 eine Botschaft aus dem Alltagsleben eines Raumausstattergesellen nebst einigen Texten nach 350 Central Park West, Apt. 13-G zu schicken – und obwohl ich ein „Niemand“ war, antwortete er mir prompt. „Schon die Geschichte vom verpatzten Sesselpolster liest sich sehr gut. Aus allem, was Sie mir geschickt haben, geht hervor, daß Sie aus der Sprache heraus schreiben und sich darüber Gedanken machen, wie ich es in meiner guten alten Zeit auch getan habe. Fast alles, was ich jetzt zu lesen bekomme, klingt wie mit stählernen Hämorrhoiden geschrieben.“ Wir wechselten noch ein paar Briefe, bis ich Chargaffs Bemerkung aus dem September 2000, er sei „in sehr schlechter Kondition“ von seinem „sogenannten Erholungsaufenthalt“ in den Alpen zurückgekehrt, als Wink mit dem Zaunpfahl nahm. Ich hielt es für angebracht, den Greis nicht länger zu behelligen. Diese unerhebliche Episode dürfte die Bemerkung aus Walter Kappachers angenehm zu lesender Erinnerungsbroschüre Hellseher sind oft Schwarzseher von 2007 unterstreichen, Chargaff habe seine Gesprächs-partnerInnen (ungeachtet ihrer „Stellung“) stets ernst genommen. Kappacher vermutet, seine Studenten müßten ihn geliebt haben. Das glaube ich auch. Allerdings fällt mir eine Ausnahme unter den Gesprächspartnern ein, auf die ich unter dem Stichwort Watson/Crick zurückkommen werde.

Das andere Signal erfuhr ich im Mai 1999 über eine Freundin, die öfter die FAZ las. Unter dem Titel Aufschrei des Einzelnen / Die Schlacht- und Schießgesellschaft brachte das Zentralorgan deutscher Banker und Denker tatsächlich einen Beitrag von Chargaff, der den Überfall der Nato auf Jugoslawien verurteilte und dabei an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Statt seinem Gastland USA wie ein paar Jahre später Mittäter Schröder „uneingeschränkte Solidarität“ zu versichern, bemerkte Chargaff beispielsweise: „Seit der Implosion der Sowjetunion, des 'evil empire', haben die Vereinigten Staaten nach Feinden gelechzt. Die Leute hier scheinen nicht schlafen zu können, wenn sie nicht anderen Menschen den Schlaf verderben.“ Es bedurfte eines couragierten, bissigen Greises aus Übersee, um Legionen umgefallener deutscher 68er zu beschämen. Aber haben die das überhaupt bemerkt? Noch heute scheinen mir die wenigsten Linken oder FriedenskämpferInnen begriffen zu haben, welche Bresche damals die „rotgrün“ befehligten Tornados in das Völkerrecht und die ohnehin wacklige Weltordnung schlugen. Schröder hat völlig recht, wenn er – wie sich versteht, in den erforderlichen hochtrabend-verlogenen Worten – „die Enttabuisierung des Militä-rischen“ für die größte Leistung seiner Regierungszeit hält.

Ich nehme an, bei einem weniger großen Namen hätten die Feuilletonisten der FAZ den Artikel von Chargaff elegant mit dem Racket Kulturpessimismus abgeschmettert. Wenn die wüßten, wievieler Erfahrungen und Lektüren es bedarf, um es bis zum Kulturpessimismus zu bringen! Im Berlin von 1931–33 erlebte Chargaff immerhin den Zusammen-bruch – oder mit Sebastian Haffner gesprochen „Verrat“ – sämtlicher linker und liberaler Kräfte, die den Faschismus hätten verhindern können. Seine in Wien lebende Mutter wird ins KZ verschleppt und ermordet. Von weitem muß er einer sogenannten Entnazifizierung zusehen, die nahezu sämtliche Jauche unter den geblümten Wirtschafts-wunderteppich kehrt. Aufklärung und Volksbildung hatten keine Wunder gewirkt.

Chargaffs Bücherei in der New Yorker Hochhauswohnung verteilt sich auf vier Zimmer. Während er den dünkel-haften Thomas Mann verständlicherweise nicht leiden kann, verehrt er Beckett und Giacometti sowie die Musik von Bach bis Beethoven. In seinen Erinnerungen Das Feuer des Heraklit von 1979 zeigt sich Chargaff davon überzeugt, die gute Seite könne in dieser unvollkommenen Welt niemals gewinnen; gewinne sie nämlich, bleibe sie nicht lange gut. Die Erfahrung dahinter dürfte sein: wer siegen will, muß schlechte Mittel anwenden, die den guten Zweck unweigerlich verbiegen. Das Feuer ist womöglich Chargaffs bestes Buch; ich habe nicht alle Bücher von ihm gelesen. Allerdings stelle ich persönlich einige andere Memoiren, etwa von Arthur Miller, Arthur Koestler, Victor Serge, trotzdem über sie. Chargaffs Feuer ist unter anderem ein Trommelfeuer aus Bonmots. Man möchte dem geistreichen Witzbold zuweilen mit Mies van der Rohe zurufen Less is more! Für mein Empfinden leisten sich er und der Klett-Lektor auch ein paar unangebrachte Wiederholungen, was insbesondere die Kritik des Wissenschaftsbetriebes angeht. Und eine stilistische Kleinigkeit: wie so viele Autoren, umschifft Chargaff die häßliche Klippe der Konjunktion daß zu selten. Ich glaube, dafür gibt es ungefähr ein Dutzend Fahrrinnen, s. Artikel in der 1. Hälfte des Beitrags. Nachträge zu Chargaffs Autobiografie finden sich im Buch Das zweite Leben von 1985 sowie in Scheidewege 28 (1998/99) unter dem Titel Selbstbesichtigung. Diese Betrachtung hat mich geradezu angerührt. Sie zeigt den verletzlichen Zug, den ich im Feuer des Heraklit vermisse.

Sicherlich muß man auch seinen preisgekrönten Essay-band Die Aussicht vom 13. Stock von 1998 hervorheben. Obwohl er als alter Skeptiker die Alterstorheit „Früher war alles schöner“ in Rechnung stellt, bilanziert Chargaff im Titelessay, noch nie sei es um die Menschheit so schlecht bestellt gewesen wie im Ausgang des 20. Jahrhunderts. Chargaff beklagt nichts Geringeres als den Verlust der Menschlichkeit. Aber ich zweifle. Schon das gründliche Studium der Korbacher oder Waltershäuser Stadtge-schichte könnte an Chargaffs Diagnose rütteln. Der Mensch war noch nie ein Seidenhäubchen. Unsere uralten „Bergfriede“ waren immer auch Kerker und Bomben-werfer. Die Hinrichtungs-Spektakel, die US-Bürger Chargaff erwähnt, wallen von antiken oder aztekischen Tempelstufen bis zur Viehheller in Waltershausen, wo der Galgen stand. In Zuckmayers Schinderhannes (der Robin Hood des Hunsrücks) murrt ein gelernter Scharfrichter-geselle, die verdammte Guillotine habe sein ganzes Handwerk entwertet. Publikum des todgeweihten Räubers 1803 in Mainz: 15.000 Leute. Das ZDF gab es noch nicht. Man könnte vermuten, am Geschichtsrad greife vor allem der Beschleunigungseffekt – also Quantitatives. Die im Doppelsinn unübersehbare Beschleunigung in unserem ganzen Produkt- und Lebenswandel komprimiert, perfektioniert – verstärkt jedes Übel „nur“. So erscheinen etwa Heuchelei und Brutalität als vorherrschend und übermächtig, weil sie sich im Römischen Reich sozusagen besser verteilten. Für einige Jahre waren linke Kommunen mein Betätigungsfeld: auch in diesen landen nicht mehr und nicht weniger Schiffbrüchige oder Verrückte wie sie Gesamtdeutschland aufweist – nur fallen sie auf dem Haufen mehr ins Gewicht.

Den schwersten Schlag, den Chargaff in den 90er Jahren einzustecken hatte, war der Verlust seiner Frau Vera Broido. Offenbar waren sich die beiden ein Leben lang teuer geblieben. Sohn Thomas wurde Polizeidetektiv in Los Angeles. Laut Kappacher hat er keinen Bezug zum literarisch-anklägerischen Wirken seines Erzeugers. Als Erbe setzte Chargaff seine langjährige Haushälterin M. ein, eine Peruanerin. Chargaff war bis zuletzt nicht im strengen Sinne pflegebedürftig, litt aber an Parkinson. In Interviews war der erbitterte Gegner der sogenannten Gentechnik immer mal wieder mit dem bekannten Argument konfrontiert worden, sie trage doch auch zur Befreiung der Menschheit von allerlei vererbbaren Gebrechen bei. Chargaff kontert, Gesundheit sei so wenig ein Rechtsan-spruch wie beispielsweise Reichtum – beide seien lediglich angenehm. Der Konter ist geistreich, aber für mein Empfinden zu schwach. Hinter ihm steckt ein berühmter Biochemiker, der gern ein wenig frömmelt – die Schule Einsteins vielleicht. Chargaff will das Leben unangetastet wissen; er will „Ehrfurcht“ vor der „Schöpfung“. Dadurch werden die haarsträubenden Mißgriffe der Schöpfung allerdings nicht schöner. Wichtiger erscheint mir, wenn Chargaff nicht müde wird, auf unser Unwissen hinzu-weisen. Dann lautete das entscheidende Argument: setzen wir vor den Genen keine Grenze, werden alle Dämme brechen, ohne daß wir im geringsten einschätzen könnten, welche Sturmfluten auf uns zukämen.

Hier ist die Gelegenheit, auf Watson/Crick zurückzu-kommen. Chargaff erforschte seit den 40er Jahren schwerpunktmäßig die Nukleinsäuren der DNA. Er entdeckte ihre Basenpaarung. Um 1950 spitzte sich ein „Wettrennen“ um die Enthüllung der genauen Gestalt unserer Gene zu, das vor allem zwischen Linus C. Pauling (USA) und den in Großbritannien stationierten Nachwuchsforschern James D. Watson/Francis Crick ausgetragen wurde. Es mußte eine Gestalt sein, die die vollständige Übertragung des äußerst verwickelten Erbgutes bei Zellteilung gewährleistete. 1953 war es so weit: das Duo „machte das Rennen“ durch Präsentierung seines Modells der Doppelhelix, das heute vermutlich jedes Schulkind kennt. Dafür wurden die beiden jungen Leute (und Maurice Wilkins) 1962 mit dem Nobelpreis für Medizin bedacht. Kurz vor ihrem „Sieg“ hatte Erwin Chargaff in Cambridge, GB, zu tun; die beiden nutzten das, um ihn nach seinen DNA-Erkenntnissen zu befragen. Dabei entblößten sie offenbar einige Lücken in ihren Grundkenntnissen. Watson berichtet in einem anderen „Renner“, nämlich seinem 1968 veröffentlichten Buch Die Doppelhelix, von dem prominenten Besucher aus den USA sei ihnen, neben dem erwarteten Sarkasmus, vor allem Verachtung entgegengeschlagen. Als Watson ihm wenig später noch einmal in Paris über den Weg lief, habe ihn Chargaff nur eines sardonischen Lächelns gewürdigt. Immerhin, Chargaff hatte dem Duo – wie er im Feuer schreibt – „alles gesagt, was ich wußte“. Sie jedoch hatten in ihren ersten Doppelhelix-Verlautbarungen weder Chargaffs noch Oswald Averys wichtige Vorarbeiten erwähnt. Für Chargaff lag die Verachtung in jenem Cambridger Gespräch woanders: „Es war mir klar, daß ich [mit Watson/Crick] einer völligen Neuheit gegenüber-stand: enormer Ehrgeiz und Angriffslust, vereint mit einer fast vollständigen Unwissenheit und Verachtung der Chemie, dieser realsten aller exakten Wissenschaften ...“

Als ich Watsons oft gelobtes „Meisterwerk“ Die Doppel-helix vor einigen Jahren las, war ich recht unvoreinge-nommen, weil mir gewisse rassistische Entgleisungen des alten „Meisters“ noch nicht zu Ohren gekommen waren. Sie werden in Wikipedia erwähnt. Für mich war Watsons Schilderung seines Weges zum Nobelpreis – von Wilma Fritsch für Rowohlt übersetzt – eine beklagenswerte Dürre ohne jede Sinnlichkeit. Es sei denn, man hält es für sinnlich, daß offenbar alle bahnbrechenden wissenschaft-lichen Diskurse beim Essen & Trinken stattfinden. Aber mit „Mangel an Sinnlichkeit“ ist das Desiderat vielleicht noch zu harmlos benannt. Man spürt bei Watson wenig Leidenschaft, geschweige denn Ergriffenheit, für und von großen Aufgaben, Dingen, Menschen. Er kam mir eher als unreifer Karrierist vor. Wahrscheinlich hätte er sich genauso gut ins Hirn setzen können, an Stelle von Kissinger Berater Gouverneur Rockefellers zu werden oder einen Star wie Bob Dylan zu entdecken. Prahlhans ist er auch – seine „coole“ Ausdrucksweise kann das mitnichten verbrämen. Watson kokettiert gern (zum Beispiel mit der Dekadenz) und beleidigt seine LeserInnen auf jeder zweiten Seite mit einem banalen Witz. Was seine alten Tage angeht, kann ich mir gut vorstellen, auf dem Beistelltischchen seines Lieblingssessels stapeln sich Bücher von Stephen King oder Matt Ruff. Und sein zweites, 2002 veröffentlichtes autobiografisches Werk braucht unsereins weißgott nicht mehr zu lesen – der Titel (der deutschen Ausgabe) genügt: Gene, Girls und Gamow. Erinnerungen eines Genies.

Ich komme auf die Medizin zurück, der ja angeblich auch Watson/Crick gedient hatten. 1997 brachte die Berliner Zeitung ein Gespräch Mathias Greffraths mit Chargaff. Darin* behauptet der greise Skeptiker, Ziel aller Leute, die an den Genen herumpfuschten, sei „die Abschaffung des Todes“ – und das sei „die sicherste Methode, die Spezies auszurotten“. Leitend sei die „sture Angst“ des Menschen. Gegen sie wende sich überhaupt die „Sucht nach Innova-tion“, die im voll entfalteten Kapitalismus zu beobachten sei; „die Notwendigkeit, ständig Neues zu finden.“ Das leuchtet wohl ein, steht doch vorm Tod das Altern. Dieses erscheint in erheblich milderem Licht, wenn ich mir jedes Jahr das blinkende neuste VW-Golf-Modell kaufe. Warum jedoch nennt Chargaff die sogenannte Entschlüsselungs-arbeit Pfuscherei? Habe ich richtig verstanden, dann deshalb, weil sie gar nicht zum Schlüssel führt. Sie führt bestenfalls zu einem letzten Loch. Oder zu einem letzten „Text“, wie so oft gesagt wird. Der Witz besteht natürlich darin, daß wir uns mit diesem „Text“ den Hintern abwischen können, weil er sowieso nicht entzifferbar ist. Was soll er? Was will er? Wo kommt er her? Nichts davon wird uns die angebliche „Erbinformation“ verraten. Damit ist all unser Eingreifen lediglich Interpretation, um nicht zu sagen Spekulation – und entsprechend gefährlich.

Man darf hier wohl weitergehend behaupten, unsere gesamte Kernforschung sei nicht nur gefährlich, sondern auch reichlich grotesk. Als Durchmesser der Doppelhelix werden ungefähr 20 Angström angenommen. Ein Angström ist der zehnmillionste Teil eines Millimeters. Können Sie sich also den Platz vorstellen, auf dem eine „Doppelhelix“ in ihrer Nukleinsäure dümpelt oder auf ihrer Abschußbase schwankt? Oder anders angesetzt. Nach landläufiger Vorstellung sind die kleinsten Bausteine des Universums die Atome. Doch in die Hand nehmen können Sie sie leider nicht. Sie können auf einer Länge von einem Zentimeter 100 Millionen Atome aneinander reihen, wie uns der Brockhaus versichert. Also angetreten und vorgestellt? Und jetzt die Bitte an einen Atomkern, noch einmal eigens herauszutreten? Diese absolute Unvorstell-barkeit namens Atomkern, die sich übrigens im Verein mit unzähligen Genossen auch in festen Stoffen wie etwa einer Tischplatte aus Buchenholz oder eines Planeten namens Erde in ständiger Bewegung befindet, wird laut Brockhaus von „enormen Kräften“ zusammengehalten. Aha! Von Muskeln? Magnetismus? Elektrizität? Information? Einbildungskraft? Oder gleich von einem Zirkelschluß? Aber die ehrgeizigen Nachkommen von Hahn, Oppen-heimer, Heisenberg, Watson ficht unser Nichtwissen nicht an. Für sie stellen Klein- und Größenwahn ebenfalls eine begrüßenswerte Doppelhelix dar. Sie stecken Unsummen in gigantische „Teilchenbeschleuniger“, mit deren Hilfe sie ihren winzigen Schimären so lange hinterher jagen, bis der Teilchenbeschleuniger (und die Stadt Genf) platzt.

Das Explosive soll mir willkommenes Stichwort sein, die Tirade abzubrechen, um mit Chargaff einen Schlußpunkt zu setzen. Sowohl aus seinem Feuer wie aus Kappachers Hellseher geht hervor, der verdiente Biochemiker von der Columbia Universität fühlte sich von Watson/Crick betrogen. Ob auch um den Nobelpreis, bleibt dabei unklar. Ich sage: Gott sei Dank! Bedenken Sie einmal, mit wievielen Megatonnen Dynamit und Leichenbergen das Preisgeld zusammengehäuft wurde und an wieviele Schurken es bereits vergeben worden ist. Hätte Chargaff den Nobelpreis angenommen – was ich fast befürchte – wäre er in meiner Achtung ohne Zweifel stark gesunken. Insofern hat er Glück gehabt.

* „Nichts verschwindet in der Welt“, 5./6. Juli 1997



Siehe auch
C. über Essays, am Schluß des Kapitels Schein-Lexikon, in der 1. Hälfte des Beitrags
C. zur Amerikanisierung im letzten Absatz dieses Beitrags
2015: 20 Jahre Aussicht vom 13. Stock
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